Länderprofil ZAR

Zentralafrikanische Republik

35
Weltverfolgungsindex
2018
Flagge Zentralafrikanische Republik
Hauptreligion
Christentum
Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
34
ISO
CF
Karte Zentralafrikanische Republik
Karte Zentralafrikanische Republik
Christen
3,77
Bevölkerung
5.10
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 9.000
Familienleben: 8.100
Gesellschaftliches Leben: 10.100
Leben im Staat: 8.900
Kirchliches Leben: 8.800
Auftreten von Gewalt: 16.100
Länderprofil Zentralafrikanische Republik

Berichtszeitraum: 1. November 2016 – 31. Oktober 2017

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

61 Punkte / Platz 35 (WWL 2017: 58 Punkte / Platz 34)

Von wem Verfolgung ausgeht

Obwohl die ZAR ein Land mit mehrheitlich christlicher Bevölkerung ist, gibt es dort auch eine starke muslimische Minderheit; ihre Angehörigen leben hauptsächlich in den nordöstlichen Landesteilen. Seit 2013 wird das Land von einem immer wieder aufflammenden Bürgerkrieg geplagt. Eine der wichtigsten Gruppierungen ist dabei die Séléka, die viele Muslime aus einem historisch benachteiligten Landesteil mobilisiert hat. In dem Konflikt stehen sich als Hauptakteure die Séléka und die Anti-Balaka gegenüber (eine militante Gruppierung, die hauptsächlich aus Animisten und nominellen Christen besteht). Die blutigen Auseinandersetzungen haben massiv zur Verfolgung der Christen im Land beigetragen. Sie wurden hauptsächlich von Séléka-Milizen, aber auch von Anti-Balaka-Kämpfern angegriffen und bedroht. Hauptziel der Übergriffe waren Kirchen und Pastoren. Christen muslimischer Herkunft in den islamisch dominierten Landesteilen waren wegen ihres christlichen Glaubens auch Druck vonseiten ihrer Angehörigen und ihres sozialen Umfelds ausgesetzt. Der andauernde Konflikt und die herrschende Instabilität haben besonder für Konvertiten die Gefahr drastisch erhöht, Opfer von Gewalt und Verfolgung zu werden.

Auswirkungen der Verfolgung auf Christen

Christen in der ZAR erleiden Gewalt und Grausamkeiten von militanten Gruppierungen, die für die Verwundung, Ermordung und Vertreibung tausender Christen verantwortlich sind. Das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten ist für die Christen durch die Situation massiv beeinträchtigt worden, da Gemeindeleiter und Kirchengebäude zu den bevorzugten Zielen gewalttätiger Übergriffe gehörten. Christliche Leiter, die sich gegen die Gewalt ausgesprochen haben, wurden bedroht, Kirchen demoliert und niedergebrannt. Infolge des Konflikts sind tausende Christen von ihrem Grund und Boden vertrieben worden, haben ihre Lebensgrundlage verloren und müssen jetzt in Lagern leben. Zusätzlich zu der allgemein herrschenden Unsicherheit und Gewalt, die alle Christen betrifft, werden christliche Konvertiten auch von ihren Angehörigen verfolgt. Auch das soziale Umfeld grenzt sie oftmals aus und setzt sie teilweise gewaltsam unter Druck, den christlichen Glauben zu widerrufen.

Beispiele

  • Am 7. Februar 2017 töteten Militante Pastor Jean-Paul Sankagui von der Eglise du Christ en Centrafrique (ECC) und beschädigten seine Kirche in der Hauptstadt Bangui. Der Angriff ereignete sich im Stadtviertel PK5 (dem Schauplatz der heftigsten Kämpfe in Bangui).
  • Am 3. September 2017 entführten ehemalige Séléka-Kämpfer Pater Robert Wieczorek in Ndim im Nordwesten des Landes. Einer lokalen Quelle zufolge wurde der Priester vor seiner Freilassung am Folgetag gefoltert.
  • Am 1. September 2017 drangen bewaffnete Männer über die Grenze des Sudan ein, führten einen Angriff auf die Stadt Zemio durch und plünderten die örtliche katholische Kirche. Tausende ergriffen daraufhin die Flucht.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Die Zentralafrikanische Republik verzeichnet auf dem WVI 2018 einen Anstieg von drei Punkten auf 61 Punkte. Im Berichtszeitraum für den WVI 2017 ebbte die Welle der Gewalt im Land vorübergehend ab, seitdem hat sich die Lage allerdings wieder verschlechtert und es ist verstärkt zu Übergriffen gegen Christen gekommen. Anpassungen in der WVI-Methodik haben dazu geführt, dass sich die Bewertung nicht mehr auf die Größe des von Verfolgung betroffenen Gebietes bezieht, sondern auf den von Verfolgung betroffenen Bevölkerungsanteil. Ohne diese Verbesserung in der Genauigkeit der Analyse wäre die Wertung vermutlich noch höher ausgefallen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Séléka-Miliz bleibt auch nach ihrer Aufspaltung in mehrere Gruppen einer der Hauptakteure in dem Bürgerkrieg, der die Zentralafrikanische Republik (ZAR) überzieht. Die Gruppe wurde in der Vergangenheit hauptsächlich von Kämpfern aus dem überwiegend muslimischen Norden des Landes gebildet. Die daraus hervorgegangenen Gruppen sind von ähnlicher Zusammensetzung und bestehen größtenteils aus Muslimen. Zusätzlich zu der Gewalt, die von militanten Gruppen wie der Union demokratischer Kräfte für die Einheit, der Konferenz der Patrioten für Gerechtigkeit und Frieden (CPJP), der Patriotischen Konferenz für die Rettung Kodros, der Union Republikanischer Kräfte und der Allianz für Neugeburt und Wiederaufbau verübt wird, zeigt sich die Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ auch dort, wo gewöhnliche Bürger Christen in überwiegend muslimischen Landesteilen verfolgen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Neben Islamischer Unterdrückung ist Organisiertes Verbrechen und Korruption eine weitere bedeutsame Triebkraft in der ZAR. Dies trifft insbesondere deshalb zu, weil auch militante Anti-Balaka-Milizen Christen und Kirchen angreifen. Weite Teile dieser Gruppe – die als Zusammenschluss lokaler Bürgerwehren begann und später eine Hauptrolle im Bürgerkrieg einnahm – haben sich mittlerweile zu kriminellen Gangs entwickelt. Ihre kriminellen Aktivitäten führen zur Verfolgung von Christen in Bangui, da sie – zusätzlich zu ihren brutalen Anschlägen auf Muslime – häufig Kirchen und geistliche Leiter angreifen.

3. Verfolger

Verfolger ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die wichtigsten Verfolger von Christen in der ZAR sind militante und paramilitärische Gruppen wie die Union demokratischer Kräfte für die Einheit, die Konferenz der Patrioten für Gerechtigkeit und Frieden (CPJP), die Patriotische Konferenz für die Rettung Kodros, die Union Republikanischer Kräfte und die Allianz für Neugeburt und Wiederaufbau sowie die Anti-Balaka. In gewissem Maß können diese Gruppen als gewalttätige religiöse Gruppierungen bezeichnet werden. Man kann sie allerdings auch als politische Parteien und paramilitärische Organisationen charakterisieren. In den überwiegend muslimischen Landesteilen sind die Verfolger auch gewöhnliche Bürger, die von den Lehren fanatischer und intoleranter Imame beeinflusst wurden. Stammesführer oder ethnische Leiter spielen eine weitere Rolle in diesem Prozess, da sie den Druck auf Konvertiten zum christlichen Glauben verstärken.

Verfolger ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Einige Splittergruppen der oben genannten militanten Zusammenschlüsse treten als organisierte kriminelle Gangs auf. Bei ihren regelmäßigen Plünderungen greifen sie häufig Kirchen und kirchliche Einrichtungen an. Neben den Kämpfern aus den Reihen der ehemaligen Séléka verüben auch frühere Anti-Balaka-Kämpfer derartige Angriffe. Das herrschende Ausmaß an Gesetzlosigkeit und die Unfähigkeit des Staates, für Recht und Ordnung zu sorgen, bedeuten, dass sowohl die Christen als auch die Gesellschaft insgesamt kaum Schutz vor den kriminellen Machenschaften dieser Gruppierungen erhalten.

4. Hintergrund

Seit ihrer Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 hat die ZAR zahlreiche Konflikte und fünf Staatsstreiche erlebt. Die Instabilität und Schwäche der aufeinanderfolgenden Regierungen (zusammen mit ihrer mangelnden Legitimation) haben dazu geführt, dass Frankreich als ehemalige Kolonialmacht weiterhin eine entscheidende Rolle spielt. Aus diesem Grund hat es schon eine ganze Reihe französischer Interventionen zur Stärkung der jeweiligen Regierung gegeben, auch zum Schutz seiner eigenen Staatsbürger und anderer in der ZAR lebender Ausländer. Rebellen und Anführer von gewaltsamen Aufständen begründen ihr Vorgehen zwar häufig mit dem Ziel, Korruption und ethnische oder religiöse Diskriminierung bekämpfen zu wollen; sehr häufig liegt jedoch der Verdacht nahe, dass ihre wahre Motivation die materiellen Vorteile politischer Macht sind sowie die Aussicht, an der Spitze eines korrupten Systems selbst die Gewinne einstreichen zu können.

Die ZAR gilt zwar als christliches Land, doch der Islam hat in den vergangenen zehn Jahren stark an Einfluss gewonnen. So ist der muslimische Bevölkerungsanteil begünstigt durch Immigrationsströme aus dem Tschad und dem Sudan von 5% auf 13% angewachsen. Die Unzufriedenheit unter den im Norden lebenden Muslimen war eine der Hauptursachen für den Putsch im März 2013. Ortsansässige Christen sind sehr beunruhigt über die deutliche Zunahme islamischer Einflüsse im Land und haben darauf hingewiesen, dass der Aufstand im Vorfeld des Putsches auf einer dschihadistischen Agenda basierte.

Der im Jahr 2012 ausgebrochene Konflikt in der ZAR hat Tausende Menschenleben gekostet, Hunderttausende vertrieben und massive Zerstörungen von Besitztümern zur Folge gehabt. Die besondere Brisanz des Konfliktes liegt jedoch in seiner religiösen Dimension. Im September 2014 hat die Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof eine zweite Untersuchung angeordnet. Experten betonen, dass die Formierung der (hauptsächlich aus Muslimen bestehenden) Séléka-Truppen unter anderem auf die Unfähigkeit der Regierung zurückzuführen ist, soziale Probleme zu lösen und den Staat verantwortungsvoll zu führen. Die gezielten Angriffe der Séléka-Milizen auf die Christen haben dem Konflikt jedoch eine religiöse Komponente hinzugefügt. Die größtenteils animistisch geprägten Anti-Balaka-Truppen haben in den südlichen Landesteilen gezielt Muslime angegriffen und Gräueltaten verübt, wodurch der Konflikt weiter verschärft wurde. Vor diesem Hintergrund bedeutsam ist die Bangui-Deklaration, die mehrere christliche Organisationen im Februar 2014 verfassten. Darin betonten sie: „Die Auseinandersetzung zwischen Séléka und Anti-Balaka hat einen Kreislauf der Vergeltung in Gang gesetzt, der die Zivilbevölkerung zum Opfer gefallen ist. Wir verurteilen diese Gewalt, gleichgültig welchen Ursprungs. Darüber hinaus weisen wir die irreführende Bezeichnung der Anti-Balaka als einer ‚christlichen‘ Miliz zurück.“

Obwohl die Séléka mittlerweile aus vielen Landesteilen vertrieben wurde, bleiben viele Herausforderungen. In Bangui steht das Stadtviertel „PK5” unverändert unter der Kontrolle extremistischer Muslime, die dort eine Herrschaft des Terrors führen. Im islamisch dominierten Nordosten des Landes werden Christen weiterhin aus ihren Dörfern vertrieben und können ihre Felder nicht bewirtschaften. Große Gruppen von Christen leben unter äußerst prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern. Die 2016 durchgeführten Wahlen gaben Anlass zu einigem Optimismus bezüglich der Chancen auf Frieden in der Zentralafrikanischen Republik; immer wieder kommt es jedoch zu Zusammenstößen zwischen verschiedenen militanten Gruppierungen, bei denen 2017 innerhalb von drei Monaten 45 Zivilisten starben und mindestens 11.000 Menschen vertrieben wurden. Dieses erneute Aufflammen von Gewalt in den zentralen Landesteilen der ZAR stellt ein großes Risiko sowohl für die Christen als auch für die Muslime im Land dar. Die Tatsache, dass der gerade erst beendete Bürgerkrieg im Land eine starke religiöse Komponente aufwies, bedeutet, dass einige Opfer dieser Vergeltungsangriffe aufgrund ihrer Stammes- und Religionszugehörigkeit getötet wurden. Falls die UN-Friedenstruppen im Land nicht entschlossen gegen derartige Zusammenstöße vorgehen und sie unterbinden, besteht die Gefahr, dass die ZAR wieder in einen Zustand von Instabilität und Kämpfen abgleitet, der das Land in den vergangenen Jahren bereits geplagt hat. Bislang sind alle Bemühungen der UN-Friedensmission, Frieden und Stabilität in der ZAR herzustellen, gescheitert.

Ebenfalls von der Verfolgung religiöser Minderheiten in der ZAR betroffen sind Muslime in Landesteilen, wo sie eine Minderheit bilden. Hier kommt es zu Übergriffen gegen sie durch die animistische Anti-Balaka-Miliz.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

In diese Kategorie fallen die Römisch-Katholische Kirche und traditionelle protestantische Kirchen. Die Römisch-Katholische Kirche ist die größte Konfession des Landes und verfügt über ein weit verzweigtes Netzwerk von Kirchen, Krankenhäusern und Schulen. Während des Aufstiegs der Séléka wurden Autos, Computer und andere Wertgegenstände aus Kirchengebäuden und anderen kirchlichen Einrichtungen geraubt. Die katholische Kirche und ihre leitenden Mitarbeiter haben sich gemeinsam mit anderen religiösen Führern als starke Fürsprecher für Frieden und Versöhnung eingesetzt. Darüber hinaus haben sie sowohl muslimischen als auch christlichen Zivilisten Zuflucht vor den Angriffen gewalttätiger Gruppierungen geboten. Infolgedessen wird die katholische Kirche immer wieder zum Ziel von Übergriffen.

Christliche Konvertiten

Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft erleiden Druck und Widerstand von Familienmitgliedern, die von ihnen verlangen, ihren christlichen Glauben aufzugeben, sobald ihre Bekehrung bekannt wird. Sie haben kaum Möglichkeiten zur Gemeinschaft und zu Gottesdiensten mit anderen Christen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Kategorie bezeichnet evangelikale, Baptisten- und Pfingstgemeinden. Christen aus diesen Gruppierungen sind immer wieder von ehemaligen Séléka-Kämpfern angegriffen worden, ähnlich wie Christen aus traditionellen Kirchen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben: 9.000
Familienleben: 8.100
Gesellschaftliches Leben: 10.100
Leben im Staat: 8.900
Kirchliches Leben: 8.800
Auftreten von Gewalt: 16.100

Grafik: Verfolgungsmuster Zentralafrikanische Republik

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Erläuterung zum Verfolgungsmuster

  • Der Durchschnittswert für Druck auf Christen ist im von 9,6 (WVI 2017) auf 9,0 (WVI 2018) gesunken. Dieser Rückgang spiegelt keine echte Verbesserung der Lage für die Christen in den muslimisch dominierten Landesteilen wider. Er ist hauptsächlich auf eine Verfeinerung der WVI-Analyse zurückzuführen, die sich mit der Bemessung der geographischen Verteilung und der Verbreitung von Verfolgung befasst.
  • Der größte Druck herrscht im Bereich des gesellschaftlichen Lebens. Dies trifft in besonderem Maß dort zu, wo der Islam die vorherrschende Religion ist. Die Wahrnehmung des Bürgerkrieges als ein Glaubenskampf hat scheinbar dazu geführt, dass der Druck der Gemeinschaft auf Christen muslimischer Herkunft weiter gestiegen ist.
  • Die Punktzahl für physische Gewalt gegen Christen ist von 9,8 auf das extrem hohe Niveau von 16,1 Punkten gestiegen. Damit zählt die ZAR zu den Ländern mit der stärksten Ausprägung von gewaltsamer Verfolgung weltweit.

Privatleben

Da die ZAR ein mehrheitlich christliches Land ist, genießen Katholiken wie auch fast alle Anhänger protestantischer Konfessionen ein relativ hohes Maß an Freiheit im Privatleben; dies trifft besonders in den christlich dominierten Landesteilen zu. Christen muslimischer Herkunft erleben jedoch massive Bedrängnis vonseiten ihrer Angehörigen, sobald ihr Glaubenswechsel bekannt wird. Die größte Herausforderung für die ZAR ist die Spaltung ihrer Bevölkerung anhand von Glaubensüberzeugungen. Deshalb ist es für einen christlichen Gastgeber sehr riskant, seinen Glauben an einen muslimischen Gast weiterzugeben. In den nördlichen, muslimisch dominierten Landesteilen (wo ehemalige Séléka-Kämpfer weiterhin aktiv sind), begibt sich ein Christ muslimischer Herkunft in Lebensgefahr, wenn bei ihm christliche Materialien gefunden werden. Es gibt Berichte, wonach ehemalige Séléka-Kämpfer in ein Haus kamen, jemanden beim Lesen der Bibel antrafen und ihn daraufhin sofort umbrachten.

Familienleben

Angesichts der weiterhin sehr unsicheren Lage im Land stellen Behördengänge, etwa zur Registrierung Neugeborener, von Eheschließungen oder Todesfällen ein hohes Sicherheitsrisiko für Christen in den nordöstlichen Provinzen dar, da sie ungewollte Aufmerksamkeit erregen würden. In einem Land, wo verschiedene Gruppen sich aus religiösen Motiven gegenseitig belauern, sind auch Taufen nur sehr schwer möglich. Konvertiten verlieren nahezu automatisch ihre Erbansprüche.

Gesellschaftliches Leben

Aus Dörfern, die von ehemaligen Séléka-Kämpfern angegriffen wurden, sind oftmals junge Mädchen entführt worden. Christen haben häufig Zuflucht in Städten wie Kaga Bandoro, Bambari und Bria gesucht, nachdem sie aus ihren Dörfern vertrieben wurden. Verantwortlich dafür waren in vielen Fällen muslimische Fulani-Hirten, die sich so ehemaliges Ackerland als Weidegründe für ihre Tiere gesichert haben.

Leben im Staat

An einigen Orten sind christliche Mitarbeiter von lokalen Behörden entlassen und durch Muslime ersetzt worden. Dies trifft hauptsächlich auf einige nordöstliche Provinzen zu, wo die lokalen Behörden von ehemaligen Séléka-Milizen dominiert werden.

Kirchliches Leben

Ein reguläres Gemeindeleben ist kaum möglich, da bei Zusammenkünften von Christen jederzeit mit Angriffen zu rechnen ist. Dies gilt besonders in Bangui in der Nähe des Stadtviertels PK5 und in den nordöstlichen Landesteilen, wo Christen in den großen Städten bedrängt und vertrieben werden.

Auftreten von Gewalt

Das Ausmaß der herrschenden Gewalt befindet sich auf einem extrem hohen Niveau und ist gegenüber dem Berichtszeitraum des WVI 2017 um massive 6,3 Punkte angestiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das Versagen der Regierung und der UN-Friedenstruppen beim Entwaffnen von Kämpfern, die sich am Bürgerkrieg beteiligt haben, kann als einer der Hauptursachen angeführt werden. Im Zuge der fortschreitenden Aufteilung großer militanter Gruppen in kleine Splittergruppen mit sehr wenig bis gar keiner Befehls- und Kontrollstruktur wird eine Eindämmung der gewaltsamen Übergriffe auf Kirchen zunehmend schwieriger.

Beispiele:

  • Am 7. Februar 2017 töteten Militante Pastor Jean-Paul Sankagui von der Eglise du Christ en Centrafrique (ECC) und beschädigten seine Kirche in der Hauptstadt Bangui. Der Angriff ereignete sich im Stadtviertel PK5 (dem Schauplatz der heftigsten Kämpfe in Bangui).
  • Am 3. September 2017 entführten ehemalige Séléka-Kämpfer Pater Robert Wieczorek in Ndim im Nordwesten des Landes. Einer lokalen Quelle zufolge wurde der Priester vor seiner Freilassung am Folgetag gefoltert.
  • Am 1. September 2017 drangen bewaffnete Männer über die Grenze vom Sudan ein, führten einen Angriff auf die Stadt Zemio durch und plünderten die örtliche katholische Kirche. Tausende ergriffen daraufhin die Flucht.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Frauen und Mädchen werden in der ZAR häufig Opfer sexueller Gewalt, besonders wenn Milizen zivile Siedlungen angreifen. Vielfach werden sie unter Gewaltandrohung zur Eheschließung gezwungen. Polygamie scheint weithin akzeptierte Praxis zu sein. Demzufolge sind Frauen und Mädchen häufig von sexuell übertragbaren Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften betroffen. Junge Mädchen, die infolge sexuellen Missbrauchs schwanger geworden sind, brechen mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Schulausbildung ab.

Männer

Jungen und Männer werden gelegentlich dazu gezwungen, sich militanten islamischen Gruppierungen anzuschließen, werden aber auch Opfer von Folter und anderen Übergriffen. Darüber hinaus werden viele als Zwangsarbeiter in der Bergbauindustrie ausgebeutet.

8. Ausblick

Erkennbare Trends und ihre Bedeutung für die Kirche

Der Konflikt der letzten Jahre hat die Beziehung zwischen Christen und Muslimen nachhaltig verändert. Sollten die Bemühungen um Versöhnung und die Einrichtung einer funktionierenden Strafverfolgung in der ZAR fehlschlagen, besteht die große Gefahr, dass die Polarisierung zwischen Muslimen und Christen sich fortsetzt und den religiösen Konflikt weiter verschärft.

Trotz der Wahlen in den Jahren 2015 und 2016 (die viele mit der Hoffnung auf Versöhnung verbunden haben) scheinen die aus der Séléka hervorgegangenen Milizen nicht bereit, ihre Waffen niederzulegen. Es besteht weiterhin die Gefahr eines Rückfalls in einen gewaltsamen Konflikt mit religiösem Beiklang. Kirche, Staat und Gesellschaft in der ZAR stehen immer noch unter dem Eindruck des erlittenen massiven Traumas. Kirchenleiter der größten Konfessionen haben auch die Gewalt der Anti-Balaka verurteilt.

Nach vielen Verzögerungen hat die Übergangsregierung landesweite Wahlen durchgeführt, die ein Meilenstein in den laufenden Veränderungsprozessen sein sollten. In der Stichwahl zum Präsidentenamt im Februar 2016 konnte sich Faustin-Archange Touadera durchsetzen. Obwohl Präsident Touadera Frieden und Versöhnung seit seinem Amtsantritt an die Spitze seiner Agenda stellt, sind weiterhin militante Splittergruppen im Land aktiv; dadurch herrscht unverändert Instabilität und immer wieder kommt es zu Gewaltausbrüchen. Muslimische Kämpfer empfinden sich in der neuen Regierung als unterrepräsentiert und verleihen ihrer Unzufriedenheit mit Gewalt Ausdruck. Dies zeigt die ernsthafte Gefahr, dass die Situation in der Zentralafrikanischen Republik sich verschlimmern und zu einem neuen Ausbruch des Konflikts führen könnte, der das Land in den vergangenen Jahren verheert hat. Ein UN-Bericht äußert ebenfalls diese Befürchtungen, in dem das steigende Risiko eines tödlichen Bürgerkrieges bis hin zum Völkermord skizziert wird. In der gegenwärtigen instabilen Situation wird die Lage zunehmend komplex, da mehrere Splittergruppen aus den militanten Séléka- und Anti-Balaka-Milizen hervorgegangen sind und sich teilweise sogar zusammengeschlossen haben.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Zentralafrikanische Republik

  • Beten Sie für die Viehhirten des Fulani-Stammes und islamistische Kämpfer, die Christen gezielt angreifen: dass ihre Augen für die Wahrheit über Jesus Christus geöffnet werden.
  • Beten Sie für die verfolgten Christen, dass sie Gottes Treue und seinen Frieden erleben inmitten des irdischen Chaos. Beten Sie um Versorgung für alle (besonders ehemalige Muslime), die ihre irdischen Besitztümer aufgeben, um Jesus nachzufolgen.
  • Beten Sie um Weisheit für die Pastoren, wenn sie sich angesichts enormer Schwierigkeiten um ihre Gemeindemitglieder kümmern. Beten Sie, dass sie selbst Gottes Trost erfahren und ihn dann an andere weitergeben können.

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