Irak: Arbeit und Hoffnung

Wie Mikrokredite christlichen Familien im Irak helfen

Irak: Arbeit und Hoffnung

Ein Mitarbeiter von Open Doors berichtet: An einem wolkigen Tag im Dezember 2017 sitze ich mit Mitarbeitern einer unserer Partnerorganisationen im Irak im Auto. Wir sind auf dem Weg zu einigen irakischen Christen, die durch Mikrokredite unserer Partner vor Ort Hilfe erhalten. Alle Projekte, die wir heute besuchen, wurden von Pastor Gorges geplant. Er ist Teil eines Komitees, das diese Art von Projekten beaufsichtigt. Nach unserer Fahrt durch die raue Landschaft des Nordirak erreichen wir schließlich das erste kleine Dorf, das zu unseren Zielen gehört. Etwa 20 bis 50 Familien wohnen hier, fast alle bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft.

Aduard kommt hier aus Dashqotan. Seinen Schal um den Kopf geschlungen, geht er mit zwei seiner Söhne durch die Herde von Schafen. „Wir haben erst vor vier Monaten angefangen“, erzählt der Vater von drei Söhnen und zwei Töchtern mit einem breiten Lächeln. Stolz zeigt er uns die Schafsherde. „Ich bin Landwirt, aber seit einiger Zeit bezahlt uns die Regierung nicht mehr für die Ernte, die wir ihr verkaufen. Ich brauchte also ein zusätzliches Einkommen. Mit eurer Hilfe konnten wir 25 Schafe und Ziegen kaufen und später noch einmal zehn.“

Er beugt sich nach unten und nimmt eines der Lämmer auf den Arm. „Wir haben jetzt zehn Lämmer. Wir verkaufen die Milch und mit dem Geld, das wir so verdienen, können wir Essen kaufen und unsere Ausgaben bezahlen. Mit dem Projekt können wir alles bezahlen, was wir als Familie brauchen!“, berichtet der 45-Jährige.

„Euer Kredit hat uns Hoffnung gegeben. Ihr gebt uns Zuversicht für die Zukunft.“

In dem Dorf lebt ein weiterer Landwirt mit einer Schafherde. Edmond begrüßt uns herzlich und führt uns durch das Tor zu den Schafen. „Durch den Kredit konnte ich 22 Schafe kaufen. Mittlerweile sind es etwa 50 Schafe. Mit dem Gewinn konnte ich neue Ställe bauen.“ Er zeigt auf die Ställe aus Beton vor uns. Im Nordirak regnet es im Winter häufig. Anfang November fiel bereits etwas Regen, doch er reichte nicht aus, um die Felder erneut zum Grünen zu bringen. „Wir beten für Regen“, sagt Edmond. „Meine Familie, meine Frau und meine zwei Kinder, mein Vater und einige andere Verwandte von mir leben alle von dem Einkommen, das wir durch die Schafe bekommen.“ Sein fünfjähriger Sohn Nino geht bereits als junger Nachwuchsbauer durch die Schafherde umher.

„Ohne diese Herde wäre das Leben hier sehr schwierig für uns.“

Einige Kilometer weiter in Karanjoo haben die beiden Brüder Salman und Sargon einen Mikrokredit genutzt, um eine trächtige Kuh und ein Kalb zu kaufen. In Karanjoo leben nur etwa 20 Familien. Sie alle sind von Landwirtschaft abhängig. Salman zeigt seinen Hof und erklärt: „Wir verkaufen einen Teil der Milch und nutzen den Rest und den Joghurt für unsere eigene Familie. Den Joghurt teilen wir mit den anderen Familien im Dorf. Insgesamt können vier Familien durch diesen Hof versorgt werden.“

Nabeel* arbeitet bei unserer Partnerorganisation vor Ort. Er berichtet, dass das System der Mikrokredite im Norden des Irak sehr gut funktioniert.

„Etwa 80% der Projekte sind erfolgreich. Das Geld wird pünktlich zurückgezahlt und kann für die nächsten Familien verwendet werden.“

Diese Erfahrung teilt Pastor Gorges. „Wir wählen diejenigen, die Kredite erhalten, mit Bedacht aus. Wir überzeugen uns davon, dass ihre Projekte eine gute Chance haben, erfolgreich zu sein. Wir müssen den Personen und ihren Plänen vertrauen.“ Pastor Gorges und das Komitee sind derzeit für 22 Projekte verantwortlich (Stand Februar 2018). „Die Christen, denen wir so helfen, kommen aus den unterschiedlichsten Denominationen.“

Bisher haben wir vor allem Projekte mit Tieren gesehen. Aber bei den Mikrokrediten geht es nicht nur um Nutztiere. Den Beweis finden wir in einem roten Traktor in Aian Baqra. Etwa 50 Familien leben in dem Dorf, das damit etwas größer ist als die anderen, die wir besucht haben. Ivan hat den roten Massey Ferguson 290 vor seinem Schuppen geparkt. Die Maschine hat er mit einem Kredit über 7.000 US-Dollar gekauft. „Ich besitze etwas Land“, erzählt er. „Einiges gehört mir selbst und etwa das Doppelte habe ich gepachtet. Dieser Traktor macht einen riesigen Unterschied für mich. Früher musste ich jemanden bezahlen, der das Land für mich pflügt und es bearbeitet. Das hat viel Geld gekostet und mich von anderen abhängig gemacht. Jetzt kann ich die Arbeit selbst machen. Ich muss niemanden bezahlen und kann selbst entscheiden, wann die beste Zeit ist, um das Feld zu bearbeiten.“

Ivan wartet auf den ersten Regen. „Es ist an der Zeit, Weizen und Gerste zu säen. Das Land ist vorbereitet – wir warten nur noch auf den Regen. Dann kann ich den Kredit bald zurückbezahlen.“ Ivan blickt in den bedeckten Himmel. „Vielleicht könnte es sogar heute schon regnen.“ Er soll Recht behalten. Nicht lange nach seiner Einschätzung fallen die ersten Tropfen. Wir verlassen Aian Baqra und auf dem Weg zu einem weiteren Projekt fängt es an, stark zu regnen.

Unser letzter Besuch führt uns über eine staubige Straße in eine bergige Gegend. Hohe Gipfel, tiefe Täler, grüne Kiefern und viele Bäume im gold-braunen herbstlichen Gewand. Wir befinden uns in Bebozai, wo Milad uns die Fischzucht zeigt, die er gemeinsam mit seinem Bruder Mazen betreibt. „Die Obstbäume haben in den vergangenen Jahren kaum Ertrag abgeworfen“, berichtet Milad. „Nachdem wir von einem Freund von Fischzucht gehört haben, haben wir recherchiert und uns mit diesem Projekt um einen Kredit beworben.“

„Wir haben 2.000 kleine Fische gekauft. Sie sind etwa so groß wie ein kleiner Finger, deswegen nennen wir sie ‚Finger‘. Wir füttern sie und nach etwa einem halben Jahr können wir sie verkaufen. Durchschnittlich sind sie zweieinhalb bis drei Kilo schwer, manche werden sogar bis zu fünf Kilo schwer.“ Milad erzählt davon, wie sie durch einen Lernprozess gehen mussten: „Anfangs hatten wir keinen Zaun um den Teich. Es kamen wilde Tiere und fraßen einige unserer Fische. Also haben wir einen Zaun gebaut.“ Um die Fische zu fangen, lassen Milad und Mazen einen Teil des Wassers aus dem Teich. „Normalerweise liegt der Wasserstand bei etwa eineinhalb Metern. Wenn wir die Fische fangen wollen, lassen wir das Wasser bis auf einen halben Meter heraus und fangen die Fische einfach mit Netzen.“

So können christliche Familien nur mit kleinen Krediten und kreativen Ideen unterstützt werden, wieder selbst ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie versorgen ihre eigenen Familien und auch die Familien ihrer Umgebung. Beteiligen auch Sie sich an dieser Hilfe! Spenden Sie mit dem Verwendungszweck „Hoffnung Irak/Syrien“, um es christlichen Familien zu ermöglichen, weiter in ihrer Heimat zu leben und Licht und Salz für ihre Umgebung zu sein!

*Name geändert

Spenden

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.