Mauretanien
Christenverfolgung in Mauretanien
Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025
1. Überblick
Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft stoßen in ihren eigenen Familien und in der Gesellschaft auf heftigen Widerstand. Jüngere Vorfälle zeigen, dass die soziale Feindseligkeit gegenüber Christen in Mauretanien nach wie vor hoch ist. Die Veröffentlichung eines Taufvideos führte zu feindseligen Reaktionen gegenüber Christen und zur Exhumierung der Leiche eines christlichen Konvertiten. Dieses restriktive Umfeld macht es ihnen unmöglich, öffentlich Gottesdienste abzuhalten. Jede öffentliche Glaubensbekundung von nicht mauretanischen Christen, einschließlich Migranten aus Subsahara-Afrika und Asien, birgt zudem die Gefahr, als versuchte Missionierung von Muslimen verstanden zu werden; dies kann zu Verhaftung und Ausweisung führen.
Länderprofil als PDF
Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.
2. Hintergrund
Mauretanien ist eines der ärmsten Länder der Welt, obwohl es reich an Bodenschätzen ist. Die Kultur ist im Kern traditionell und stammesbezogen geprägt. Die Praxis der Sklaverei wird fortgeführt. Sie ist eine der Hauptursachen für die soziale Spaltung. Feindselig gegenüber stehen sich dabei die Gruppe der „Bidhan“, die arabisch-berberischer Abstammung ist, und die Gruppe der „Haratin“, die hauptsächlich ethnische Afrikaner sind und oftmals immer noch unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen. Nahezu die gesamte politische und wirtschaftliche Macht liegt in den Händen der Bidhan, die nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Das bedeutet, dass die Mehrheit der Gesellschaft stark marginalisiert bleibt.
Gewalttätige islamistische Kämpfer sind vor allem in den östlichen Grenzregionen des Landes aktiv. Entführungen durch militante oder andere kriminelle Gruppen sind im ganzen Land ein Risiko, insbesondere für Ausländer. Der Westen des Landes um die Hauptstadt Nouakchott ist im Allgemeinen sicherer.
Die meisten Mauretanier sind sunnitische Muslime. Die Regierung lehnt jede Art von Missionierung ab, und ihre Feindseligkeit gegenüber christlichen Konvertiten muslimischer Herkunft ist groß. Theoretisch wird Apostasie (Glaubensabfall vom Islam) mit der Todesstrafe geahndet, allerdings sind in den letzten Jahren keine Fälle bekannt geworden, in denen diese Strafe verhängt wurde. Nach Angaben der Hilfsorganisation Middle East Concern ist „in der mauretanischen Verfassung der Islam als Staatsreligion und als Religion der mauretanischen Bürger verankert. Apostasie und Blasphemie sind nach dem Strafgesetzbuch verboten. [...] Das Pressegesetz verbietet den Druck, die Verteilung und die Einfuhr von nicht islamischen religiösen Materialien, auch wenn deren privater Besitz nicht illegal ist.“
Die meisten Christen im Land sind Ausländer. Sie kommen hauptsächlich aus den benachbarten afrikanischen Ländern südlich der Sahara wie zum Beispiel aus dem Senegal und Guinea-Bissau. Ihre Religionsfreiheit ist eingeschränkt; sie können zwar an Gottesdiensten teilnehmen, allerdings nur in dafür ausgewiesenen Einrichtungen. Alle Mauretanier sollten Muslime sein. Daher ist jegliche Kontaktaufnahme, die das Ziel hat, das Evangelium weiterzugeben, strengstens untersagt. Nach Angaben der World Christian Database ist die Mehrheit der Christen in Mauretanien römisch-katholisch.
Die Zahl der mauretanischen Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben ist nach wie vor gering. Sie stehen unter einem extrem hohen Druck durch Familie, Gesellschaft und Staat.
| Weltanschauungen | Anhänger | % |
| Christen | 11.100 | 0,2 |
| Muslime | 5.090.000 | 99,3 |
| Anhänger ethnischer Religionen | 20.900 | 0,4 |
| Bahai | 520 | < 0,1 |
| Atheisten | 350 | < 0,1 |
| Agnostiker | 5.200 | 0,1 |
3. Gibt es regionale Unterschiede?
Die Stammes- und Familienbeziehungen sind in ländlichen Gebieten besonders eng. Aber selbst in der Hauptstadt Nouakchott kann der Druck auf christliche Konvertiten hoch sein. „Al-Qaida im islamischen Maghreb“ (AQIM) und die „Mouvement pour l'unicité et le jihad en Afrique de l'Ouest“ („Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“, MUJAO) sind besonders in den östlichen Grenzregionen des Landes aktiv und stellen dort eine Bedrohung für die Christen dar.
4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?
Islamische Unterdrückung
Dies ist die wichtigste Triebkraft der Verfolgung in Mauretanien. Mauretanien ist eine selbsternannte islamische Präsidialrepublik; der Islamismus ist die vorherrschende politische Ideologie im Land. Nichtmuslime erfahren Einschüchterungen und Verfolgung, insbesondere durch islamische Gruppen. Zahlreiche Mauretanier haben sich gewalttätigen islamisch-extremistischen Milizen angeschlossen, sowohl in der nordafrikanischen Region als auch in Syrien und im Irak. Während die Regierung einerseits versucht, den militanten Islamismus zu bekämpfen, bietet sie gleichzeitig wahhabitischen und anderen islamisch-extremistischen Bewegungen wie der Muslimbruderschaft eine öffentliche Plattform. Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft werden am stärksten verfolgt, da ihr neuer Glaube von ihren Familien und der Gesellschaft nicht toleriert wird.
Unterdrückung durch den Clan oder Stamm, gemischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit
In diesem sehr konservativen und traditionellen Land, in dem die Verstädterung ein relativ modernes Phänomen ist, gibt es Spannungen zwischen den Stämmen und Ethnien. Wenn sich ein Muslim dem christlichen Glauben zuwendet, muss er nicht nur den Druck seitens der Familie und der Regierung fürchten, sondern auch die Schande, die die gesamte Stammesgemeinschaft oder ethnische Gruppe empfindet – denn dies führt zu weiterer Verfolgung. Das Problem der Sklaverei im Land, das mit der ethnischen Zugehörigkeit zusammenhängt, hat ebenfalls zu Verfolgung geführt, da die Befürworter der Sklaverei argumentieren, diese sei vom Islam gebilligt. Die Kampagne gegen Sklaverei hat eine feindselige Reaktion der Islamisten im Land ausgelöst. Christen aus Subsahara-Afrika, die im Land leben, sind einer Mischung aus religiöser und rassistischer Diskriminierung ausgesetzt.
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Sowohl Stammeszugehörigkeit als auch religiöse und persönliche Beziehungen sind in der mauretanischen Gesellschaft sehr wichtig. Vetternwirtschaft, Klientelismus und andere Formen der Korruption sind weitverbreitet, auch innerhalb der Regierung. Kampagnen gegen die Korruption haben sich bisher nur auf Randfiguren konzentriert. Journalisten, die über Korruption im Zusammenhang mit staatlichen Behörden oder Unternehmen recherchieren, werden eingeschüchtert, inhaftiert und der Verleumdung beschuldigt. Die Mächtigen, die Verbindungen zur Armee und zur Regierung haben, können sich bereichern und mit Straffreiheit rechnen.
Diktatorische Paranoia
5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?
Ausländische Christen und Arbeitsmigranten
Die größte Gruppe bilden römisch-katholische Arbeitsmigranten aus Subsahara-Afrika, gefolgt von Protestanten und Evangelikalen, die aus Ländern südlich von Mauretanien kommen. Es gibt auch eine kleine Anzahl von Christen aus westlichen Ländern. Afrikanische Christen, die als Arbeitsmigranten ins Land gekommen sind, führen aufgrund ethnischer Vorurteile und des Drucks durch den islamischen Extremismus im Land ein unsicheres Dasein.
Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)
Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund sind sehr stark dem gezielten Druck und der Gewalt seitens islamistischer Gruppen, ihrer Großfamilien und des sozialen Umfelds ausgesetzt. In der nomadisch geprägten Gesellschaft Mauretaniens ist gemeinschaftlicher Zusammenhalt überlebenswichtig. Christliche Konvertiten verlieren ihren Status in ihrer Gemeinschaft, wenn ihr Glaubenswechsel öffentlich bekannt wird. Deshalb versuchen die meisten, ihren Glauben zu verbergen.
6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?
Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.
Privatleben
Für Christen ist es oft riskant, ihren Glauben zu offenbaren. Ausländische Christen, insbesondere aus Subsahara-Afrika, erfahren häufig Diskriminierung und Beschimpfungen, sobald sie öffentlich als Christen erkannt werden. Teilweise werden sie auch der Missionierung bezichtigt. Taufen können nur im Geheimen durchgeführt werden. Viele christliche Konvertiten muslimischer Herkunft zögern, sich taufen zu lassen, denn sie fürchten, ihr Glaubenswechsel könnte so entdeckt werden. Das könnte nach sich ziehen, dass gegen sie Anklage wegen Apostasie erhoben wird. Ein Glaubenswechsel beziehungsweise das Verlassen des Islam ist gesetzlich verboten, und wer sich kritisch zum Islam äußert, riskiert die Todesstrafe. Dieses Gesetz ist zwar weitgehend symbolisch, stellt aber nach wie vor eine erhebliche Bedrohung für christliche Konvertiten muslimischer Herkunft dar.
Familienleben
Alle Mauretanier und ihre Kinder werden automatisch als Muslime betrachtet und als solche registriert. Christliche Kinder an öffentlichen Schulen müssen den islamischen Unterricht besuchen. Sie sind dort leicht Diskriminierung und Schikanen ausgesetzt. Die Hinwendung zum christlichen Glauben ist in Mauretanien ein Scheidungsgrund. Der Elternteil, dessen Glaubenswechsel bekannt wird, kann das Sorgerecht für die Kinder verlieren.
Gesellschaftliches Leben
Das soziale Umfeld übt extremen Druck auf Mauretanier aus, die nicht dem sunnitischen Islam folgen. Dieser Druck kann in Form von Ächtung, sozialer Diskriminierung, wirtschaftlicher Ausgrenzung oder sogar Gewalt erfolgen. Hinzu kommt, dass die mauretanische Gesellschaft entlang ethnischer Grenzen gespalten ist und die Wirtschaft und die Regierung von Korruption und Klientelismus geprägt sind. Christliche Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden sowohl wegen ihrer Hautfarbe als auch wegen ihres Glaubens diskriminiert.
Leben im Staat
Das mauretanische Strafrecht sieht für Apostasie und Blasphemie die Todesstrafe vor. Christen müssen sorgfältig darauf achten, dass ihre Worte nicht als Kritik am Islam oder an der Regierung ausgelegt werden.
Kirchliches Leben
Aufgrund des Erbes der französischen Kolonialherrschaft hat nur die römisch-katholische Kirche einen Rechtsstatus und darf öffentliche Gebäude unterhalten. Jedoch erlaubt es die Kirchengemeinde in der Diözese Nouakchott auch evangelikalen Gemeinden, einen Raum auf dem Hauptgelände der katholischen Kirche für ihre Gottesdienste zu nutzen. Missionstätigkeit ist strengstens verboten. Daher dürfen ausländische Christen in ihren kirchlichen Räumlichkeiten keine Muslime empfangen, geschweige denn Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben in ihre Gemeinden integrieren.
Beispiele für das Auftreten von Gewalt
Im Dezember 2023 wurden 15 mauretanische christliche Leiter sowie ihre Familienangehörigen in Sélibaby verhaftet, nachdem ein Video einer Taufe in den sozialen Medien verbreitet worden war. Die Inhaftierten wurden noch im selben Monat freigelassen. Doch die kleine christliche Gemeinschaft im Land ist durch den Vorfall erschüttert; sie fühlen sich durch die Reaktionen islamischer Extremisten, der Gesellschaft und der Regierung bedroht. Selbst im Berichtszeitraum WWL 2026 sind die Auswirkungen des Vorfalls ernst. Die soziale Feindseligkeit zeigte sich in verbalen und körperlichen Angriffen. Die meisten der ursprünglich Festgenommenen verloren ihren Arbeitsplatz oder wurden mit Arbeitsverboten belegt, und ihre Kinder wurden in der Schule schwer gemobbt. Wie die Hilfsorganisation Middle East Concern berichtet, gipfelte im April 2025 eine Demonstration gegen Christen in der Exhumierung des Leichnams eines verstorbenen Christen, der durch die Straßen geschleift und außerhalb der Stadt wieder beigesetzt wurde. In diesem Land lebende Christen aus Subsahara-Afrika sind regelmäßig religiös motivierter Diskriminierung ausgesetzt, darunter der Verlust ihres Arbeitsplatzes, unzureichende oder gar keine medizinische Versorgung oder Behinderungen bei der Teilnahme an kirchlichen Aktivitäten.
7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren
| Jahr | Platzierung | Punktzahl |
| 2026 | 21 | 76 |
| 2025 | 23 | 74 |
| 2024 | 23 | 72 |
| 2023 | 20 | 72 |
| 2022 | 23 | 70 |
Die Gesamtpunktzahl für Mauretanien im Weltverfolgungsindex 2026 stieg um 1,9 Punkte an. Mehrere Vorfälle von Gewalt auf kommunaler Ebene und staatlicher Unterdrückung führten zu einem Anstieg des Wertes für Gewalt von 2,8 Punkten auf 3,7. In ähnlicher Weise war in allen Lebensbereichen ein Anstieg zu verzeichnen, wobei der Druck auf das kirchliche Leben stark zunahm. Sowohl Christen aus Mauretanien als auch aus Ländern südlich der Sahara waren extremem Druck ausgesetzt, weshalb die Kirche große Vorsicht walten lassen musste.
8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?
Frauen
In der Stammesgesellschaft Mauretaniens sind Frauen der Autorität ihrer Väter und Ehemänner unterworfen. Das bringt christliche Konvertitinnen in eine extrem schutzlose Position. Teilweise wird ihnen die Nahrung vorenthalten, sie werden schikaniert oder unter Hausarrest gestellt. Die meisten Frauen dürfen nicht wählen, wen sie heiraten; christliche Konvertitinnen können so gezwungen werden, einen muslimischen Mann zu heiraten. Weigern sie sich, riskieren sie, geächtet zu werden. Verheiratete Frauen, die den christlichen Glauben annehmen, können leicht geschieden werden. Dadurch verlieren sie ihre Lebensgrundlage, denn üblicherweise sind Frauen in Mauretanien finanziell komplett von ihren Ehemännern abhängig. Polygamie wird noch immer praktiziert. Erschwerend kommt hinzu, dass Musliminnen (auch Christinnen mit muslimischem Hintergrund) nicht legal einen christlichen Mann heiraten können.
Männer
Christliche Leiter mit muslimischem Hintergrund sind besonders gefährdet, inhaftiert zu werden und stehen unter besonderer Beobachtung. Außerdem erhalten sie Morddrohungen. Männliche christliche Konvertiten werden von der Familie oder Gemeinschaft unter Druck gesetzt, von zu Hause vertrieben oder körperlich misshandelt. Wenn sich bestätigt, dass ein Mann tatsächlich konvertiert ist, kann vor einem religiösen Gericht Anklage wegen Apostasie gegen ihn erhoben werden. Christlichen Männern drohen lange Haftstrafen und hohe Geldstrafen. Eine starke Bewegung zur „Arabisierung“ macht das Leben der christlichen Migranten aus Subsahara-Afrika sehr herausfordernd und viele verlassen unter dem Druck das Land.
9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen
Es gibt eine sehr kleine, aber wachsende Minderheit schiitischer Muslime in Mauretanien. Die mauretanische Regierung unterhält seit jeher gute diplomatische Beziehungen zum Iran und zögerte deshalb, schiitische Muslime ins Visier zu nehmen. Sunnitische religiöse Leiter haben jedoch zunehmend ihre Verurteilung der schiitischen Minderheit in Mauretanien zum Ausdruck gebracht und die Regierung aufgefordert, Beschränkungen zu verhängen. Darüber hinaus wurden in jüngster Zeit mehrere Personen, die des Atheismus beschuldigt wurden, verhaftet und ins Gefängnis gebracht.
10. Gebetsanliegen
Bitte beten Sie für Mauretanien:
- Bitten Sie um Kraft und Schutz für alle Christen mit muslimischem Hintergrund und dass ihre Familien die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, respektieren.
- Beten Sie um eine Änderung der Gesetze, sodass es nicht mehr ungesetzlich ist, den Islam zu verlassen.
- Bitte beten Sie, dass sich für Christen sichere Gelegenheiten eröffnen, anderen das Evangelium weiterzugeben.
- Beten Sie auch um sichere Möglichkeiten für christliche Konvertiten, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben.