Weltverfolgungsindex 2026

Irak

Christenverfolgung im Irak

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Seit der „Islamische Staat“ (IS) zurückgedrängt wurde, setzen insbesondere vom Iran unterstützte schiitische Milizen die Christen im Irak unter Druck. Allerdings hat der IS seine Angriffe auf Zivilisten, Infrastruktur und Sicherheitskräfte auch im Jahr 2023, und in immer geringerem Maß auch 2024 und 2025, fortgesetzt. Im April 2025 wurde während einer assyrisch-christlichen Neujahrsparade ein Anschlag von einem IS-Anhänger verübt, bei dem zwei Christen und ein Polizist verletzt wurden. Sowohl die Türkei als auch der Iran setzten außerdem ihre Luftangriffe und – im Falle der Türkei – Bodenoperationen in verschiedenen Gebieten der Region Kurdistan-Irak fort. Angeblich seien diese gegen Mitglieder der „Partiya Karkerên Kurdistanê“ („Arbeiterpartei Kurdistans“, PKK) gerichtet. In den vergangenen Jahren trafen die Angriffe aber auch überwiegend christliche Dörfer, verursachten schwere Schäden an zivilem Eigentum und zwangen viele Christen zur Flucht.

Die traditionellen Kirchen (die assyrische Kirche des Ostens, die syrisch-orthodoxe Kirche, die syrisch-katholische Kirche, die chaldäisch-katholische Kirche und die armenische orthodoxe Kirche) sind stark von Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung betroffen. Diese gehen besonders von islamisch-extremistischen Bewegungen und nicht christlichen religiösen Leitern aus. Auch seitens der Behörden erfahren sie Diskriminierung. Evangelikale Gemeinden in Bagdad und Basra sind ebenfalls von Gewalt durch islamisch-extremistische Gruppen und nicht christliche religiöse Leiter betroffen und werden durch die Behörden diskriminiert.

Christen mit muslimischem Hintergrund erfahren den meisten Druck von Familienmitgliedern und halten ihren Glauben oft geheim. Sie riskieren, ihr Erbrecht zu verlieren sowie das Recht und die Mittel zu heiraten. Die Abkehr vom Islam kann sogar in der eher gemäßigt islamischen Region Kurdistan-Irak gefährlich sein. Ein Wechsel der Kirchenzugehörigkeit (etwa von einer orthodoxen Kirche zu einer evangelikalen Gemeinde) wird häufig mit dem Entzug von Rechten bestraft. Es ist bekannt, dass Leiter orthodoxer und katholischer Kirchen sich weigern, Eheschließungen für Mitglieder durchzuführen, die protestantische Kirchen besuchen. Durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs des Irak aus dem Jahr 2024 wurde die Quote der Sitze für Christen im Parlament Kurdistans von sechs auf drei reduziert. Dadurch wird die politische Vertretung von Christen weiter eingeschränkt.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Nach der von den USA angeführten Invasion im Jahr 2003 und dem Sturz des Diktators Saddam Hussein flammte in dem folgenden Machtvakuum religiös motivierte Gewalt auf, insbesondere zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen. Die Christen gerieten ins Kreuzfeuer. Es begann eine Massenflucht aus dem Land. Mit dem Aufkommen des IS und der Ausrufung seines Kalifats im Juni 2014 verstärkte sich die Fluchtbewegung umso mehr. 2016 wurden große Teile des IS-Gebiets zurückerobert. Die Christen begannen daraufhin, in die befreiten, zuvor mehrheitlich christlichen Städte in der Nähe von Mossul zurückzukehren, unter anderem nach Karakosch. Im Dezember 2017 verkündete der damalige Ministerpräsident die erfolgreiche Vertreibung des IS aus dem Irak durch die irakischen Streitkräfte. Allerdings blieb der IS stellenweise weiterhin aktiv und griff in den folgenden Jahren immer wieder zivile und staatliche Ziele an. Solche Angriffe führen zu Instabilität und verstärken das Gefühl der Unsicherheit für Christen und andere Minderheiten.

Der Irak ist in zwei Teile geteilt: die teilautonome Region Kurdistan-Irak im Norden, die offiziell von der kurdischen Regionalregierung mit Sitz in Erbil regiert wird, und einen großen arabischen Teil unter Kontrolle der irakischen Regierung in Bagdad. Der Irak besteht aus 19 Gouvernements, von denen nur fünf eine offiziell ausgewiesene christliche Bevölkerung haben (Ninawa, Erbil, as-Sulaimaniyya, Dahuk und Kirkuk). Die Christen haben alle anderen Gouvernements verlassen, mit Ausnahme einer kleinen Gruppe von Konvertiten muslimischer Herkunft.

Nach Angaben des Berichts zur internationalen Religionsfreiheit der US-Außenministeriums 2023 sind die Mehrheit der irakischen Christen chaldäische Katholiken (die einem östlichen Ritus der römisch-katholischen Kirche folgen), und fast 20 Prozent sind Mitglieder der assyrischen Kirche des Ostens. In der Region Kurdistan-Irak, in der die meisten Christen leben, sind etwa 2.000 Mitglieder evangelikaler Kirchen registriert.

Seit der IS zurückgedrängt wurde, geht der Druck auf die irakischen Christen hauptsächlich von schiitischen Milizen aus, die vom Iran unterstützt werden. Seit Beginn des Israel-Hamas-Krieges am 7. Oktober 2023 haben diese Stellvertreter des Iran ihre Angriffe auf die für die USA militärisch wichtigen Ziele maßgeblich erhöht. In der Region Kurdistan-Irak setzte die Türkei ihre Angriffe fort. Dabei gingen sie angeblich gegen Mitglieder der PKK vor, trafen aber auch Dörfer mit christlicher Mehrheit. Die Militäroperationen der Türkei in diesem Gebiet wurden von 2021 bis 2024 unvermindert fortgesetzt, was zu weitreichenden Vertreibungen führte beziehungsweise Christen daran hinderte, in ihre Häuser zurückzukehren.

Die irakische Verfassung von 2005 setzt den Islam als Staatsreligion fest. Nach geltendem islamischem Recht ist es Muslimen faktisch untersagt, ihre Religion zu wechseln. Frauen, die als Musliminnen registriert sind, dürfen keine Nichtmuslime heiraten. Diese Probleme können zu komplexen Familiensituationen führen. So wurde beispielsweise im Juni 2024 berichtet, dass ein irakisches Gericht in der Region Kurdistan-Irak eine christliche Frau und ihre Kinder, die alle christlich erzogen worden waren, aufforderte, zum Islam überzutreten. Der Fall geht darauf zurück, dass die Mutter der Frau zum Islam konvertiert war, nachdem sie sich von ihrem christlichen Ehemann hatte scheiden lassen und einen muslimischen Mann geheiratet hatte, als die Frau noch ein Teenager gewesen war. Diese rechtliche und soziale Misere zeigt, mit welchen Herausforderungen einige christliche Familien im Irak konfrontiert sind, wo die in offiziellen Dokumenten eingetragene religiöse Identität weitreichende Folgen für das persönliche und familiäre Leben haben kann.

Christen sind in der Politik kaum vertreten. Laut einer Minderheitenquote müssen 1,5 Prozent der Parlamentssitze an christliche Abgeordnete vergeben werden, doch im Jahr 2024 wurde die Gesamtzahl der Quotensitze für religiöse und ethnische Minderheiten im Parlament Kurdistans aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichtshofs reduziert – nämlich von 11 auf 5, wodurch sich auch die Sitze für Christen von 6 auf 3 reduziert haben.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

187.000

0,4

Muslime

46.375.508

97,5

Hindus

6.003

< 0,1

Buddhisten

450

< 0,1

Juden

23

< 0,1

Bahai

2.501

< 0,1

Atheisten

87.346

0,2

Agnostiker

228.121

0,5

Andere

662.200

1,4

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Die meisten Christen im Irak leben im Norden des Landes, im kurdischen Gebiet. In Bagdad im Zentralirak und Basra im Süden des Landes leben nur noch sehr wenige Christen. In den zentralen und südlichen Teilen des Landes sind die Christen mit besonders schwierigen Bedingungen konfrontiert. Die Christen haben die meisten der dortigen Provinzen verlassen, mit Ausnahme kleiner Gruppen von Christen mit muslimischem Hintergrund. Übergriffe auf christliche Konvertiten, insbesondere in Form von islamischer Unterdrückung und Unterdrückung durch den Clan oder Stamm, sind in arabischen Gebieten stärker verbreitet als in kurdischen Regionen.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Christen im Irak sind vonseiten sunnitischer und schiitischer Muslime islamischer Unterdrückung ausgesetzt, unabhängig von deren Volkszugehörigkeit (kurdisch, iranisch oder arabisch). Das islamische Bewusstsein ist unter dem Einfluss islamischer Milizen zu einem neuen Faktor im Land geworden, auch in der Region Kurdistan-Irak. Mehrere schiitische Parteien haben enge Beziehungen zur Islamischen Republik Iran; besonders Christen muslimischer Herkunft berichten, dass sie in Gebieten nahe der iranischen Grenze von iranischen Geheimdiensten beobachtet werden. Islamische Lehren und islamische Rhetorik beherrschen den Alltag, und islamische (insbesondere schiitische) Autoritätspersonen beeinflussen weiterhin das soziale, religiöse und politische Leben. Es sind oft Angehörige, die Christen mit muslimischem Hintergrund stark unter Druck setzen, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen, was manchmal auch Versuche beinhaltet, sie zu töten. Frauen werden immer stärker von der Gesellschaft kontrolliert. Selbst christliche Frauen in Bagdad und Basra sind mittlerweile gezwungen, sich zu verschleiern, um sich außerhalb ihrer Häuser sicher bewegen zu können. In den vergangenen Jahren kollaborierten muslimische Bürger zum Beispiel in Mossul mit dem IS oder schlossen sich Milizen an, die Christen verfolgten. Dies hat das Vertrauen der Christen gegenüber ihren Nachbarn und anderen Menschen in ihrem Umfeld stark beeinträchtigt. Gewöhnliche Bürger in allen Gebieten des Irak üben Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund aus, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Die irakische Gesellschaft ist immer noch stark durch das Stammesdenken geprägt. Dies gilt vor allem in Gegenden, die durch religiös motivierte Gewalt erschüttert wurden – hauptsächlich die früher vom IS kontrollierten Gebiete. Wo sich dieses Stammesdenken mit dem Islam vermischt, beeinträchtigt es insbesondere Christen muslimischer Herkunft. Ethnische Gruppen sowie Stammesgruppen haben bisweilen Parteien gegründet, die eine exklusive Politik verfolgten. Christen sind ein leichtes Ziel. Die Einhaltung der jahrhundertealten Sitten und Gebräuche der Stämme ist oft wichtiger als die Einhaltung der staatlichen Gesetze, da die Stämme in der Regel über dem Gesetz stehen.

Diktatorische Paranoia

Mehrere aufeinanderfolgende irakische Zentralregierungen haben versucht, um jeden Preis an der Macht zu bleiben. Dadurch wurde es verpasst, eine pluralistische Gesellschaft zu fördern, in der sich religiöse Minderheiten willkommen fühlen. Christen in der Region Kurdistan-Irak beklagen einen Missbrauch des Wahlsystems bei den Parlamentswahlen von 2018 und 2024: Kurdische und schiitische Parteien hatten die explizit für Christen reservierten Sitze im Nationalrat an sich gerissen und dafür eigene christliche Kandidaten aufgestellt, die nicht von den christlichen Parteien nominiert worden waren. Im Jahr 2024 reduzierte der Oberste Gerichtshof außerdem die Anzahl der Sitze für Christen im Parlament der kurdischen Regionalregierung (KRG) von 6 auf 3. Darüber hinaus bedrohen Berichten zufolge Regierungsbeamte auf allen Ebenen Christen und „ermutigen“ sie, auszuwandern.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption ist im gesamten Irak weitverbreitet, und Christen werden auf diese Weise ausgebeutet. In vielen mehrheitlich islamischen Gebieten können Christen ihre Häuser oftmals nur zu 60 Prozent des Wertes verkaufen. Ein weiteres Problem ist die Beschlagnahmung von Grundbesitz, der Christen gehört. Organisierte, kriminelle Gruppen haben sich über 70 Prozent der Grundstücke illegal angeeignet, deren christliche Eigentümer aus dem Irak geflohen sind – insbesondere in Bagdad.

Konfessioneller Protektionismus

Es gibt 14 anerkannte christliche Denominationen. Wenn eine neue Denomination die Registrierung beantragt, werden die offiziell anerkannten Kirchen um ihre Zustimmung gebeten. Regelmäßig lehnen diese die Registrierung nicht traditioneller protestantischer Gruppen entschieden ab. Traditionelle Kirchen versuchen oftmals, Mitglieder ihrer Gemeinden davon abzuhalten, die neueren Kirchen zu besuchen. In den südlichen und zentralen Regionen des Irak erfahren Christen, die eine traditionelle Kirchengemeinde verlassen haben, um sich einer nicht traditionellen christlichen Gruppe anzuschließen, mitunter Drohungen und Widerstand von Familienmitgliedern, Stammesführern und der sie umgebenden Gesellschaft. Es ist auch bekannt, dass Bischöfe traditioneller Kirchen sich weigern, Trauungen von Mitgliedern durchzuführen, die evangelikale Kirchen besuchen.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Kirchen wie die assyrisch-orthodoxe Kirche, die chaldäisch-katholische Kirche, die syrisch-katholische Kirche und die armenische orthodoxe Kirche sind alle erheblich von Verletzungen der Religionsfreiheit durch islamisch-extremistische Gruppierungen und nicht christliche religiöse Leiter betroffen. Auch seitens der Behörden erfahren sie Diskriminierung. Im Zentral- und Südirak zeigen Christen oft keine christlichen Symbole (wie beispielsweise ein Kreuz), da dies zu Belästigungen oder Diskriminierungen bei Straßenkontrollen, in der Universität oder am Arbeitsplatz sowie in Regierungsgebäuden führen kann.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Als Konvertiten gelten zwei Gruppen: Christen mit muslimischem Hintergrund sowie ehemalige Mitglieder traditioneller Kirchen, die zu einer protestantischen Freikirche gewechselt sind. Die Konvertiten aus dem Islam erfahren den meisten Druck von ihrer (Groß-)Familie. Sie halten ihren neuen Glauben oft geheim, da sie in der Gefahr stehen, von ihren Familienmitgliedern, Stammesführern und der Gesellschaft bedroht zu werden. Die Gemeinde zu wechseln (beispielsweise von einer orthodoxen Kirche in eine evangelikale Gemeinde), wird ebenfalls häufig mit dem Entzug von Rechten oder mit dem Verlust des Arbeitsplatzes bestraft.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale, Baptisten und Pfingstgemeinden in Bagdad und Basra werden erheblich in ihrer Religionsfreiheit durch islamisch-extremistische Bewegungen sowie nichtchristliche religiöse Leiter verletzt. Sie erleben außerdem Diskriminierung durch die Behörden. Christen, die ihren Glauben offen bekennen, werden im Zentral- und Südirak regelmäßig angegriffen. Wenn sie im Verdacht stehen, Muslimen das Evangelium weiterzugeben, können auch Blasphemiegesetze gegen sie angewendet werden. Für evangelikale Christen gibt es keine gesetzliche Grundlage, Bibelschulen zu gründen. Auch dürfen sie ausländische Organisationen nicht damit beauftragen, sie dabei zu unterstützen.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 14.2
Familienleben 14.4
Gesellschaftliches Leben 14.3
Leben im Staat 14.9
Kirchliches Leben 13.9
Auftreten von Gewalt 7.2

Privatleben

Christen muslimischer Herkunft sind in Gefahr, wenn sie ihren Glauben bekennen oder sich mit anderen Christen treffen. Wenn sie dies tun, werden sie der Abtrünnigkeit vom Islam (Apostasie) und des Verrats beschuldigt. Im Allgemeinen riskieren Christen, die mit Nichtchristen über ihren Glauben sprechen, den Vorwurf der Missionierung und müssen mit Schikanen und Gewalt rechnen. Christen, die nicht konvertiert, sondern in einer christlichen Familie aufgewachsen sind, können christliche Symbole tragen und zeigen, es sei denn, sie leben in einer sehr konservativ islamisch geprägten Gegend.

Familienleben

Frauen muslimischer Herkunft, die den christlichen Glauben angenommen haben, werden nicht als Christinnen anerkannt; die Ehe mit einem Nichtmuslim ist ihnen deshalb rechtlich verboten. Zusätzliche Brisanz erhielt das Thema durch die vom IS praktizierten Zwangskonversionen: Die so zum Islam konvertierten Christen hatten vor Gericht ihren Übertritt zum Islam erklären müssen, woraufhin alle rechtlichen Dokumente geändert wurden. Laut Artikel 26 des Gesetzes von 2015 zum Personalausweis werden Kinder unter 18 Jahren mit einem muslimischen Elternteil als Muslime registriert. Das trifft selbst dann noch zu, wenn eine nicht muslimische Mutter von einem Muslim vergewaltigt und das Kind auf diesem Weg gezeugt wurde. In Scheidungsfällen wird das Sorgerecht in der Regel dem muslimischen Elternteil zugesprochen. Kinder, die als Muslime gelten, sind verpflichtet, islamischen Religionsunterricht zu erhalten. Laut Gesetz müssen alle Schulen (auch die christlichen) regelmäßig Islamunterricht erteilen und Prüfungen darin abnehmen; ein Nichtbestehen dieser Prüfungen bedeutet, dass man nicht in die nächste Klasse versetzt werden kann.

Gesellschaftliches Leben

Christliche Frauen werden in Bagdad, Basra und manchmal sogar im Norden unter Druck gesetzt, ein Kopftuch zu tragen. Christliche Studenten beanstanden, dass einige muslimische Professoren an Universitäten die Prüfungstermine absichtlich auf christliche Festtage legen. Assyrische Schulen weisen darauf hin, dass sie benachteiligt werden, indem sie die ihnen zustehenden Gelder nicht in vollem Umfang erhalten. Die Bildung ist auf den Islam ausgerichtet, und einige offizielle Lehrpläne an staatlichen Schulen und Universitäten definieren Christen als Ungläubige und Feinde und rufen zum Dschihad gegen sie auf. Bei der Online-Beantragung eines Personalausweises wird die Religionszugehörigkeit abgefragt, und der Datenchip auf dem Ausweis enthält immer noch Angaben zur Religion. Dies führt dazu, dass Christen auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden. Im Nationalparlament und in der Regierung haben Christen einige hochrangige Positionen inne; im Allgemeinen sind sie dort aber unterrepräsentiert. Christen muslimischer Herkunft stehen in großer Gefahr, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, falls ihr neuer Glaube bekannt wird.

Leben im Staat

Seiner Verfassung nach ist der Irak ein islamisches Land, in dem keine Gesetze erlassen werden dürfen, die dem Islam widersprechen. Das Gesetz erlaubt den Glaubenswechsel hin zum Islam, lässt aber den Glaubenswechsel vom Islam zu anderen Religionen oder Glaubensrichtungen nicht zu und erkennt sie auch nicht an. In einer Ehe, bei der einer der Ehepartner Muslim ist, spricht das Familienrecht diesem fast automatisch alle Rechte zu – so etwa im Blick auf Scheidungs-, Sorgerechts- und Erbschaftsfälle. Im Allgemeinen wird es Christen in bestimmten Institutionen wie dem Militär verwehrt, die höchsten Ämter zu bekleiden. Manchmal werden sie aufgefordert, Muslime zu werden, wenn sie eine Beförderung erhalten wollen. Christen sind regelmäßig Ziel von Hassreden und Hetzkampagnen extremistischer Islamisten, sowohl im Internet als auch im landesweiten Fernsehen. Bei Verbrechen gegen Christen werden die Täter meist nicht zur Rechenschaft gezogen. Die Regierung hat keine Kontrolle über die Milizen, die im Land aktiv sind, besonders in der Ninive-Ebene. Trotz der großen Anzahl beschlagnahmter christlicher Grundstücke (geschätzt werden 78 Prozent der Grundstücke von Christen, die das Land verlassen haben), wird kaum jemand dafür bestraft.

Kirchliches Leben

Arbeit unter Jugendlichen ist nur innerhalb von Kirchengebäuden erlaubt. Für Christen muslimischer Herkunft ist es nicht möglich, in die Kirche an ihrem Wohnort integriert zu werden; Ausnahmen gibt es in einigen kurdischen christlichen Gemeinden in der Region Kurdistan-Irak. Oft müssen Christen muslimischer Herkunft ihren Heimatort aus Sicherheitsgründen verlassen und Zuflucht in der Anonymität einer Großstadt suchen – oder das Land ganz verlassen. Besonders Gemeinden nicht traditioneller Denominationen berichten von Überwachung.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum 2026 wurden drei christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund getötet. Außerdem wurden mindestens zehn Christen aus religiösen Gründen verhaftet.

Am 1. April 2025 griff ein IS-Anhänger in der kurdischen Region Duhok eine assyrisch-christliche Neujahrsparade mit einer Axt an. Dabei verletzte er zwei Christen und einen Polizisten. Beeinflusst von extremistischer Propaganda, hatte er es auf Christen abgesehen und rief während des Angriffs „Islamischer Staat“.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

18

79

2025

17

78

2024

16

79

2023

18

76

2022

14

78

Die Punktzahl für den Irak stieg um einen Punkt von 78 Punkten im Vorjahr auf 79 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum 2026. Das ist hauptsächlich auf einen Anstieg des Wertes für Gewalt von 6,1 auf 7,2 Punkte zurückzuführen: So wurden im Berichtszeitraum 2026 drei Christen aus Glaubensgründen getötet und mindestens zehn weitere verhaftet. Der Druck in den verschiedenen Lebensbereichen blieb nahezu unverändert; der Durchschnittswert stieg lediglich um 0,2 Punkte. Die weitverbreitete Korruption und das Fehlen eines echten Schutzes von Christen untergraben weiterhin die Rechte und die Stellung der christlichen Gemeinde im Irak.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Während des Krieges gegen den IS wurden Frauen, die religiösen Minderheiten angehören, schwer misshandelt. Aber auch jetzt noch sind Frauen von geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht. In einigen Gebieten tragen christliche Frauen zu ihrer eigenen Sicherheit ein Kopftuch, da unverschleierte Frauen in der Gefahr stehen, belästigt oder sogar mit Steinen beworfen zu werden. Bei Übergriffen gegen Christinnen, seien es Entführung, Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch, herrscht generell Straffreiheit. Konvertitinnen muslimischer Herkunft sind von Hausarrest, Schlägen, sexueller Belästigung und „Ehren“-Morden bedroht. Alleinstehende Konvertitinnen können zwangsverheiratet werden; auch haben sie rechtlich keine Möglichkeit, einen Christen zu heiraten. Im Januar 2025 verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das es religiösen Autoritäten erlaubt, über Personenstandsangelegenheiten zu entscheiden. Damit wurde faktisch die Verheiratung von Mädchen ab neun Jahren ermöglicht. Dieser Schritt legalisiert Kindesmissbrauch und untergräbt die Rechte junger Mädchen. Christliche Mädchen werden außerdem von muslimischen Männern „geködert“, die sie dann sexuell belästigen und zur Heirat drängen.

Männer

Christliche Männer haben oft Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden, und empfinden sich Berichten zufolge stark gefährdet, an ihrem Arbeitsplatz ausgenutzt zu werden. Da Männer oftmals die Hauptversorger der Familie sind, kann der Verlust des Arbeitsplatzes erhebliche Auswirkungen haben. Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft sind besonders gefährdet, Opfer von Übergriffen zu werden. In einer Kultur, in der Ehre einen enormen Stellenwert besitzt, riskieren sie, aus ihren Familien verstoßen, bedroht oder getötet zu werden. Diese Faktoren verstärken die ohnehin schon starke Tendenz zur Auswanderung. Zusätzlich wird die Kirche im Irak dadurch geschwächt, dass Priester und christliche Leiter (in der Mehrzahl Männer) nach wie vor von Inhaftierungen, Entführungen und Morden bedroht sind, insbesondere in der Ninive-Ebene.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere religiöse Minderheiten, die im Irak unter Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz leiden, sind Jesiden, Sunniten, Kaka’i, Mandäer, Bahai, Zoroastrier und Juden. Vor allem die jesidische Gemeinschaft hat durch den IS schwere Gräueltaten erlitten, wobei mehr jesidische als christliche Frauen und Mädchen zu Sexsklavinnen gemacht wurden und mehr Jesiden getötet wurden als Christen. Obwohl ein im März 2021 verabschiedetes Gesetz jesidischen Überlebenden besondere Rechte wie Entschädigung und Rehabilitation zugesteht, steht seine vollständige Umsetzung noch aus. Das „Middle East Institute“ berichtete zudem, dass „im April 2023 ... Jesiden zur Zielscheibe einer Kampagne von Hassreden und falschen Anschuldigungen [wurden]. Dabei wurden die vom IS gegen Jesiden begangene Verbrechen gebilligt. Die Verbreitung dieser Hassreden in den sozialen Medien begann, nachdem Jesiden fälschlicherweise beschuldigt worden waren, eine Moschee im Distrikt Sindschar angezündet zu haben, obwohl sie tatsächlich friedlich gegen die Rückkehr von Familien demonstrierten, die verdächtigt werden, mit dem IS in Verbindung zu stehen.“

Auch die sunnitische Gemeinschaft berichtet von Menschenrechtsverletzungen, darunter gewaltsame Vertreibung durch regierungsnahe schiitische Milizen und Diskriminierung durch die sogenannten Entbaathifizierung.

Die irakische Verfassung garantiert zwar Religionsfreiheit für Christen, Jesiden und Mandäer, schützt aber nicht ausdrücklich Anhänger anderer Religionen oder Atheisten. Bestimmte Religionen, wie zum Beispiel die Bahai-Religion, sind gesetzlich verboten, und ihre Ausübung kann zu Gefängnisstrafen führen. Dieses Verbot wird jedoch in der Region Kurdistan-Irak, wo der Bahaismus als Religion anerkannt ist, nicht durchgesetzt. Auch in anderen Teilen des Landes wird dieses Gesetz im Allgemeinen nicht angewandt. Schließlich sind auch Juden mit Einschränkungen konfrontiert, unter anderem sind sie von staatlichen Stellen und vom Militärdienst ausgeschlossen. Somit werden sie weithin diskriminiert und zögern, sich öffentlich als Jude zu bezeichnen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Irak:

  • Bitten Sie darum, dass die irakische Regierung damit beginnt, die Christen zu schützen und ihre Rechte zu achten.
  • Beten Sie für Frieden und Stabilität, damit vertriebene Christen in ihre Häuser zurückkehren können, sowie um gute wirtschaftliche Perspektiven. Beten Sie auch, dass beschlagnahmte Grundstücke zurückgegeben werden.
  • Beten Sie für den Schutz aller Christen und darum, dass sie in ihrem Glauben an Jesus gestärkt und ermutigt werden.
  • Beten Sie, dass die Familien von christlichen Konvertiten ebenfalls offen für das Evangelium werden.
  • Beten Sie besonders für die Kinder, dass sie vor Zwangsehen bewahrt werden.

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