Weltverfolgungsindex 2024

Äthiopien

Christenverfolgung in Äthiopien

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2022 – 30. September 2023

Überblick

Christen aus protestantischen Freikirchen werden am stärksten unter Druck gesetzt, sowohl von örtlichen Behörden als auch von der äthiopisch-orthodoxen Kirche (ÄOK). Das gilt besonders in Gebieten, in denen die ÄOK großen Einfluss hat. Christen muslimischer Herkunft, besonders im Osten und Südosten, sowie Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind, erfahren schwere Misshandlungen durch ihre Familien und ihr soziales Umfeld. In bestimmten Gebieten wird Christen der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen verwehrt, und sie werden von der Gesellschaft ausgegrenzt. So kommt es in Regionen wie Somali und Teilen von Oromia immer wieder zu Angriffen auf Kirchen durch Gruppen aufgebrachter Muslime. Darüber hinaus hat die anhaltende politische Gewalt im Land in den letzten drei Jahren die Verwundbarkeit der Christen vergrößert: In den Regionen Tigray, Oromia und Amhara sind sie verstärkt Druck und Gewalt ausgesetzt.

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Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

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1. Hintergrund

In Äthiopien ist nicht die Religion, sondern die ethnische Zugehörigkeit das wichtigste Identitätsmerkmal. Zwar brechen immer noch religiös motivierte Konflikte aus, doch ist die unsichere Lage in Äthiopien hauptsächlich auf die Aktivitäten bewaffneter Gruppen zurückzuführen, die sich über ihre Ethnie definieren. Im November 2020 führten Meinungsverschiedenheiten zwischen der ethnischen Partei „Volksbefreiungsfront von Tigray“ (TPLF) und der äthiopischen Bundesregierung zu einem größeren Konflikt, den die Regierung als „Operation zur Durchsetzung von Recht und Gesetz“ bezeichnete. Die TPLF wurde aus der Regionalregierung entfernt, und das Parlament setzte eine geschäftsführende Übergangsregierung ein. Im Juni 2021 zogen sich die Regierungstruppen jedoch zurück, und die TPLF gewann wieder die Kontrolle über die Region. Darüber hinaus gelang es der TPLF, die Truppen der Regierung noch weiter in den Süden zurückzudrängen und selbst bis tief in die Gebiete der Afar- und Amhara-Regionen vorzudringen. Nach einer kurzen Einstellung der Feindseligkeiten bleibt die Lage in den Regionen Tigray, Amhara und Afar weiterhin unsicher, was sich laut Angaben der Vereinten Nationen negativ auf die Binnenflüchtlinge auswirkt und die humanitären Bemühungen behindert. Im Jahr 2022 wurde ein Friedensabkommen zwischen der TPLF und der äthiopischen Bundesregierung vermittelt und in Pretoria, Südafrika, unterzeichnet. Es ist auch wichtig festzustellen, dass es in den Regionen Oromia und Amhara Konflikte gibt, die zu Tod, Zerstörung und der Vertreibung von Zivilisten führen.

Im Juli 2018 wurde ein Friedensvertrag mit Eritrea unterzeichnet, der den von 1998 bis 2000 andauernden Krieg formell beendet hat.

Äthiopien ist nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt, auch wenn das starke Wirtschaftswachstum im letzten Jahrzehnt zu einem Rückgang der Armut geführt hat. Nach Angaben von Freedom House wurden politische, gesellschaftliche und religiöse Inhalte im Internet blockiert, Netzwerke absichtlich gestört und – insbesondere im Zusammenhang mit dem Krieg in Tigray – Online-Diskussionen von der Regierung und anderen Kommentatoren manipuliert.

Äthiopien war eines der ersten Länder, in denen der christliche Glaube (durch die ÄOK) zur Staatsreligion wurde. Und obwohl sie diesen Status heute nicht mehr genießt, übt die Kirche immer noch großen Einfluss auf die Politik aus. Ein klares Zeichen der Verbesserung ist die kürzliche Verabschiedung des Erlasses Nr. 1208/2020. Darin werden der Verband „Ethiopian Council of Gospel Believers’ Churches“ und seine Mitgliedskirchen als Rechtspersönlichkeit anerkannt. Allerdings sind auf regionaler und anderen unteren Verwaltungsebenen des Landes noch keine Auswirkungen des Erlasses zu spüren.

Weltanschauungen Anhänger %
Christen 74.679.000 60,3
Muslime 42.402.000 34,3
Hindus 8.500 < 0,1
Buddhisten 1.900 < 0,1
Anhänger ethnischer Religionen 6.531.000 5,3
Juden 17.100 < 0,1
Bahai 28.900 < 0,1
Atheisten 13.300 < 0,1
Agnostiker 89.100 0,1

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Die Intensität der Christenverfolgung in den verschiedenen Teilen Äthiopiens hängt davon ab, welche Triebkräfte der Verfolgung in der jeweiligen Region vorherrschen. So sind beispielsweise die Regionen Amhara, Tigray und einige Teile von Oromia Brennpunkte in Bezug auf Übergriffe infolge von konfessionellem Protektionismus. Islamische Unterdrückung ist in einigen Teilen des Ostens und Westens von Oromia sehr ausgeprägt, ebenso in den Regionen Afar und Somali. Auch Gurage, Silte und Alaba gehören zu den Gebieten, in denen die Verfolgung besonders intensiv ist. 

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene gewinnt der extremistische Islam an Einfluss. In diesem Zusammenhang sind die verschiedenen christlichen Gemeinschaften in fast allen Lebensbereichen zunehmend unter Druck geraten. Vor allem in ländlichen Gebieten, in denen sie die Mehrheit stellen, schikanieren Muslime Christen und verweigern ihnen häufig den Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen. Außerdem werden Christen Opfer von Gewalt, und sie werden manchmal sogar getötet. Christen muslimischer Herkunft werden verstoßen; häufig werden ihnen zudem familiäre Rechte wie das Erbrecht und das Sorgerecht für ihre Kinder verweigert. Eine weitere wichtige Beobachtung ist, dass die Zunahme des extremistischen Islam in den Nachbarländern Somalia und Sudan auf Äthiopien übergreift.

Konfessioneller Protektionismus

Diese Triebkraft wirkt hauptsächlich in der ÄOK und oftmals unter dem Einfluss von Mabihere Kidusan, einer extremistischen Gruppe innerhalb der Kirche. Der konfessionelle Protektionismus richtet sich insbesondere gegen evangelikale Christen, da die ÄOK diese als Anhänger einer westlichen Religion betrachtet, die eine Bedrohung für den äthiopischen Nationalismus und die äthiopische Kultur darstellt. Beides hat die ÄOK eine lange Zeit hindurch bewahrt. Predigten und Lieder, in denen evangelikale Christen stark kritisiert werden, sind weit verbreitet. Die ÄOK hat die Rechte von Christen ernsthaft verletzt, die ihre Reihen verlassen und sich (meist) den protestantischen Kirchen oder den Erneuerungsbewegungen innerhalb der ÄOK angeschlossen haben. Diese Rechtsverletzungen geschehen auf unterschiedliche Weise. Die Mitglieder der ÄOK nutzen ihre Verbindungen zur Regierung, um die Entfaltung nicht orthodoxer Kirchen zu behindern. Manchmal greifen sie Christen auch körperlich an. Diese Übergriffe finden vor allem in den nördlichen und zentralen Teilen des Landes statt, wo die meisten Menschen zur orthodoxen Kirche gehören.

Diktatorische Paranoia

In der Vergangenheit hat die äthiopische Regierung immer stärkere autoritäre Züge entwickelt und dabei die Rechte der Zivilgesellschaft und religiöser Institutionen zunehmend eingeschränkt. Die vorherige äthiopische Regierung zeigte sich misstrauisch gegenüber Religionen im Allgemeinen und Christen im Besonderen.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Im letzten Vierteljahrhundert hat ethnisch orientierte Politik das gesamte öffentliche Leben im Land dominiert. Bis 1974 bildete die ÄOK die Staatsreligion. Von 1974 bis 1991 stand das Land unter kommunistischer Herrschaft. Nach 17 Jahren Bürgerkrieg wurde das Regime von einer Koalition verschiedener Rebellengruppen gestürzt, die sich aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen zusammensetzte. Im Rahmen der äthiopischen Übergangscharta von 1991 hatte man den ethnischen Gruppen die Achtung und Anerkennung ihrer Kultur und Identität zugesichert. Seitdem hat die Regierung bei einigen ethnischen Gruppen Unmut gegenüber dem christlichen Glauben geschürt. In Regionen wie Afar und Somali (Ogaden) hängen Islam und ethnische Zugehörigkeit zusammen. Andere Stämme verlangen auch, dass Christen sich an Stammeskämpfen beteiligen und üben Vergeltung, wenn Christen sich weigern.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Die ÄOK ist in dem Land sehr stark vertreten. Sie ist einer der Faktoren, die zur Komplexität der Verfolgungsdynamik in Äthiopien beitragen; einerseits wird die ÄOK selbst verfolgt, andererseits spielt sie aber auch eine zentrale Rolle als Verfolgerin. Christen aus traditionellen Kirchen werden hauptsächlich von der Regierung und von islamischen Extremisten bedrängt. Auch in Gebieten, in denen die Stammeskultur besonders im Vordergrund steht, ist die ÄOK unter Druck. Die orthodoxen Christen leben vor allem in Nord- und Zentraläthiopien. Christen, die in muslimisch dominierten Regionen (Harari, Somali, Afar) oder örtlichen Gemeinschaften (etwa unter den Silte) leben, haben Schwierigkeiten, ihren Glauben zu leben.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Zu dieser Kategorie gehören 1) Christen mit muslimischem Hintergrund, 2) Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind, und 3) Christen die sich von traditionellen ethnischen Religionen abgewandt und den christlichen Glauben angenommen haben. Diese Christen sind unterschiedlichen Triebkräften der Verfolgung ausgesetzt. In muslimisch geprägten Gebieten leiden ehemalige Muslime hauptsächlich unter dem Druck und der Gewalt von Familie, Großfamilie, Ortsvorstehern und nicht christlichen Religionsführern. In den von der ÄOK dominierten Gebieten kommt es hauptsächlich zu Übergriffen durch ÄOK-Anhänger, von denen viele einer extremistischen Gruppe innerhalb der ÄOK namens Mahibere Kidusan angehören. Konvertiten leiden außerdem in allen Teilen des Landes unter Repressalien durch die Regierung (örtliche Behörden). In Gebieten, in denen es verstärkt zu Unterdrückung durch den Clan oder Stamm kommt, droht christlichen Konvertiten Verfolgung vonseiten der Anhänger traditioneller Glaubenssysteme oder Muslime. Diese versuchen, die Konvertiten zur Teilnahme an verschiedenen religiösen Aktivitäten zu zwingen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Kategorie gehören baptistische und evangelikale Gemeinden sowie die in Äthiopien stark vertretenen Pfingstgemeinden. Diese Gemeinden werden massiv bedrängt, vor allem von der Regierung, der ÄOK und islamischen Gruppen. Im Vergleich zu den anderen Kategorien von Christen wachsen diese Gemeinden sehr schnell. Protestanten, die in von Muslimen und orthodoxen Christen dominierten Gebieten leben, sind mit verschiedenen Formen von Rechtsverletzungen konfrontiert. Diese Kategorie von Christen wird von vielen als Bedrohung angesehen, da ihre Zahl und ihr Einfluss ständig zunehmen. In der Folge werden Christen von vielen Seiten mit Druck und Gewalt bedrängt.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.9
Familienleben 9.7
Gesellschaftliches Leben 12.6
Leben im Staat 10.4
Kirchliches Leben 12.1
Auftreten von Gewalt 14.4

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

In den mehrheitlich muslimischen Gebieten wird die Abkehr vom Islam als Verrat an den Vorfahren und als Verleugnung der Identität angesehen. Sie ist verboten und wird von der Familie und der Gesellschaft bestraft. Enormer Druck geht von den Familien aus, deren Ruf durch den Glaubenswechsel eines Mitglieds gefährdet wird; das gilt insbesondere in ländlichen Gebieten.

In Nordäthiopien, dem Kerngebiet der ÄOK, werden Konvertiten zum evangelischen Glauben oft ausgegrenzt oder aus ihrem Wohnort vertrieben. Es gab Angriffe auf Christen, weil sie Gospelmusik oder „Versionen“ der Bibel besaßen, die der Lehre der orthodoxen Kirche widersprechen. Manchmal wird der Betroffene gezwungen, Weihwasser zu trinken, weil man glaubt, dass er vom Teufel besessen sei. Auch Misshandlungen von Christen, die sich online zu ihrem Glauben bekennen, nehmen zu.

Im Gegensatz dazu ist der evangelische Glaube in Gebieten Südäthiopiens und Oromias die Norm, so dass Konvertiten dort nicht auf solche Widerstände stoßen würden.

Familienleben

In einigen Gebieten wurden Kinder von Christen schikaniert und sogar angegriffen. In Gebieten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung müssen alle Kinder islamische Schulen besuchen. Wenn ein Christ mit orthodoxen Wurzeln einer protestantischen Gemeinde (örtlich Pentay genannt) beitritt, üben Familienmitglieder, Priester und ultrakonservative Gruppen in der ÄOK Druck auf ihn aus, um ihn zur Umkehr zu bewegen. Christen außerhalb der ÄOK haben es in Gebieten, die muslimisch oder von der ÄOK dominiert sind, sehr schwer, Begräbnisstätten zu bekommen.

Gesellschaftliches Leben

In von der ÄOK geprägten Regionen übt das soziale Umfeld großen Druck auf Christen aus, die die ÄOK verlassen haben. Beispielsweise ist es schwierig, Schulen zu finden, in denen ihre Kinder sicher sind. In mehrheitlich muslimischen Gebieten, vor allem auf dem Land, werden Christen diskriminiert und belästigt. Brautentführungen und Zwangsverheiratungen von Kindern im Alter von elf Jahren sind in Äthiopien keine Seltenheit. Davon sind besonders christliche Konvertiten in ländlichen Gegenden betroffen. Es kommt vor, dass Christen von Dorfbewohnern überwacht werden; manchmal werden sogar Kinder geschickt, um Kirchen und christliche Haushalte auszuspionieren.

Leben im Staat

Von der Vorgängerregierung erlassene Gesetze schränken religiöse Rundfunksendungen und religiösen Unterricht ein. Einen christlichen Standpunkt öffentlich zu äußern, ist nach wie vor problematisch, insbesondere für Konvertiten oder Anhänger christlicher Minderheitengruppen. Zivilgesellschaftliche Organisationen unterliegen weiterhin gesetzlichen Einschränkungen, und seit vielen Jahren sind keine neuen politischen Parteien mehr gegründet worden. In Gebieten, die von Muslimen oder von der ÄOK dominiert werden, erleiden Christen, die nicht der ÄOK angehören, Diskriminierung vonseiten der Behörden (insbesondere auf lokaler Ebene). Viele muslimische und ÄOK-Prediger führen Verleumdungskampagnen gegen Pfingstler und Evangelikale durch. Dabei unterstellen sie diesen häufig, dass sie ihren Glauben nur vorgetäuscht hätten, um Hilfe aus dem Ausland zu erhalten. Im Gegenzug sprechen sich einige Prediger der Pfingstbewegung gegen orthodoxe Christen aus und bezeichnen sie als rückständig.

Kirchliches Leben

In ländlichen Gebieten, die von islamischer Unterdrückung und konfessionellem Protektionismus geprägt sind, werden Pastoren schikaniert; insbesondere solche von neueren Denominationen. Die Pastoren stehen als die sichtbarsten Vertreter der Christen besonders im Visier. Ihnen wird oft vorgeworfen, die gesellschaftlichen Werte zu untergraben. Wer sich gegen seine Angreifer wehrt, kann mit Repressalien rechnen. Nicht staatliche Akteure wie islamisch-extremistische Gruppen überwachen die Aktivitäten der Christen. In einigen Fällen wurden Kirchen während des Gottesdienstes angegriffen und Eigentum zerstört. Wie immer sind christliche Konvertiten besonders gefährdet und verbergen ihren Glauben oft aus Angst vor Angriffen.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

Der Jahresbericht „Freedom in the World 2023“ der Nichtregierungsorganisation Freedom House berichtet in Bezug auf Äthiopien, dass im November 2022 „amharisch sprechende Kämpfer eine protestantische Kirche in einem Dorf in der Verwaltungszone East Wollega in [der Region] Oromia angriffen. Sie töteten 15 Gottesdienstteilnehmer, darunter auch Gemeindeleiter.“

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr Platzierung Punktzahl
2024 32 69
2023 39 66
2022 38 66
2021 36 65
2020 39 63

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2024 war ein deutlicher Anstieg der Gewalt gegen Christen zu verzeichnen, und zwar um mehr als 3,0 Punkte im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum. Dieser Anstieg führte dazu, dass sich die Gesamtpunktzahl von 66 im Weltverfolgungsindex 2023 auf 69 im Weltverfolgungsindex 2024 erhöhte.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Die Rechte christlicher Frauen (sowohl Konvertitinnen als auch Nichtkonvertitinnen) werden häufig in Form von Entführung und Zwangsverheiratung mit einem Nichtchristen verletzt. Nach ihrer „Heirat“ wird von der Frau erwartet, dass sie die Religion ihres Mannes annimmt.  Vergewaltigung ist ein wirksames Mittel zur Bestrafung von Christinnen und führt zu Isolation innerhalb des sozialen Umfelds; die Familienehre ist verletzt und die Chancen auf eine zukünftige Heirat sind gering. Christinnen muslimischer Herkunft erleben die schwersten Übergriffe. Ihnen drohen die Ausgrenzung aus ihrer Familie, Hausarrest, körperliche Misshandlung und der Verlust ihres Erbes. Wenn sie verheiratet sind, drohen ihnen die Scheidung und der Verlust des Sorgerechts für die Kinder.

Männer

Christliche Männer werden Opfer von körperlichen Angriffen, Vertreibung, Raub oder sogar Mord. Sie werden strategisch als Versorger der Familie ins Visier genommen; ein Angriff auf sie schwächt die gesamte Familie. Christen muslimischer Herkunft waren zur Flucht gezwungen, um Angriffen und Schikanen zu entgehen. Der Staat verletzt auch die Religionsfreiheit von Männern, indem er sie inhaftiert, was besonders in muslimisch geprägten Gebieten ein Risiko darstellt. Die Regierung mischt sich auch in kirchliche Wahlen und Ernennungen ein. Da die Mehrheit der Kirchenführer männlich ist, betrifft dies vor allem männliche Christen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die religiösen Minderheiten im Land sind von dem Rundfunkgesetz, der Rolle des Glaubens im Bildungswesen und dem Gesetz zur Zivilgesellschaft betroffen. Grundsätzlich muss nach dem Gesetz zur Zivilgesellschaft jede religiöse Gruppe, außer orthodoxen, katholischen, muslimischen und jüdischen Gemeinschaften, einen Antrag auf Registrierung stellen. Darüber hinaus sieht das Registrierungsgesetz eine Mindestzahl von 50 Personen für die Registrierung als Religionsgemeinschaft vor und mindestens 15 Personen für die Registrierung eines Dienstes oder Vereins. Dies hat schwerwiegende Auswirkungen auf neuere religiöse Minderheiten gehabt: In einigen Gebieten haben Mormonen und Zeugen Jehovas (ihre Zahl liegt hier unter 50) Schwierigkeiten, einen offiziellen Gottesdienstraum zu bekommen. Dies gilt insbesondere dort, wo Mehrheitsgruppen dafür bekannt sind, religiösen Minderheiten gegenüber feindselig zu sein.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Äthiopien:

  • Beten Sie, dass die Christen, die unter starkem Druck stehen, ihren Glauben aufzugeben, die Kraft haben, an Jesus festzuhalten.
  • Beten Sie um Einheit unter den Christen aus den verschiedenen Denominationen.
  • Beten Sie um Schutz für Christinnen vor sexualisierter Gewalt und Zwangsheirat, und beten Sie um Versorgung für Christen, die fliehen mussten.
  • Bitten Sie um viel Weisheit für die Regierung eines Landes, das stark von Krieg, Dürre, Seuchen und politischer Instabilität betroffen ist.

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