Weltverfolgungsindex 2026

Demokratische Republik Kongo

Christenverfolgung in der Demokratischen Republik Kongo

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

In den östlichen Regionen der Demokratischen Republik Kongo, insbesondere in Nord-Kivu, Ituri und in Teilen von Süd-Kivu ist die Lage für Christen aufgrund der Präsenz bewaffneter Gruppen wie der „Allied Democratic Forces“ (ADF) immer gefährlicher geworden. Diese Gruppe, die sich zum „Islamischen Staat“ (IS) bekannt hat, geht besonders aggressiv gegen Christen vor. Das Ausmaß der Angriffe ist alarmierend: Christliche Dörfer wurden niedergebrannt, Pastoren, Priester, aber auch christliche Zivilpersonen wurden entführt. Die ADF und andere bewaffnete Gruppen haben den christlichen Gemeinden unsagbares Leid zugefügt. Die Region ist eine Brutstätte für mehr als Hundert verschiedene bewaffnete Gruppen. Jeder, der sich gegen diese Organisationen ausspricht, begibt sich in große Gefahr. Außerdem hat „Mouvement du 23-Mars“ („Bewegung 23. März“, M23) – eine Rebellengruppe, die nach Angaben der Vereinten Nationen offenbar von der ruandischen Regierung unterstützt wird – auch christliche Zivilisten ins Visier genommen. Die Gebietsgewinne der M23 in den Jahren 2024 und 2025 haben Massenvertreibungen ausgelöst und Andersdenkende zum Schweigen gebracht. Christliche Leiter, die das Vorgehen der Truppen kritisieren, riskieren es, entführt zu werden. Dadurch hat sich die Sicherheitslage in der Demokratischen Republik Kongo noch weiter verschärft.

Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund und solche, die früher traditionelle afrikanische Religionen praktiziert haben, werden darüber hinaus unter Druck gesetzt, an nicht christlichen religiösen Aktivitäten teilzunehmen und den christlichen Glauben zu widerrufen. Sie werden enterbt und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Wenn sie sich weigern, traditionelle Rituale durchzuführen, reagiert ihr Umfeld häufig mit Einschüchterungsversuchen. Vertreter der katholischen oder protestantischen Kirche, die sich gegen die Korruption des Staates aussprechen oder sich für einen Rechtsstaat einsetzen, werden unterdessen bedroht, überwacht und schikaniert. Kirchliche Aktivitäten werden gestört, und Geistliche werden öffentlich verleumdet, was zu einem Klima der Angst beiträgt, in dem der Ruf nach Gerechtigkeit systematisch zum Schweigen gebracht wird.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

In der Demokratischen Republik Kongo herrscht seit mehr als 50 Jahren ein Konflikt zwischen einer Vielzahl bewaffneter Rebellengruppen. Die schwache Rechtsstaatlichkeit führt dazu, dass Gewalttaten wie Entführungen, Tötungen und willkürliche Verhaftungen ungestraft bleiben. Nach monatelangen Verzögerungen trat am 11. Juni 2024 eine neue Regierung unter der Leitung von Premierministerin Judith Suminwa ihr Amt an. Obwohl das Land reich an Bodenschätzen ist, hat es mit Inflation und Korruption zu kämpfen.

Im Bericht von „Freedom House“ aus dem Jahr 2025 wird die Demokratische Republik Kongo weiterhin als „nicht frei“ eingestuft und mit 18 von 100 möglichen Punkten bewertet. In ihrem Bericht stellt die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation die Herausforderungen dar, mit denen das Land seit Jahrzehnten konfrontiert ist, und weist auf die schwerwiegenden Einschränkungen der politischen Rechte und bürgerlichen Freiheiten hin. Seit Oktober 2024 ist im Osten der Demokratischen Republik Kongo, insbesondere in Nord-Kivu und Ituri, ein deutlicher Anstieg der Gewalt zu verzeichnen. Innerhalb einer einzigen Woche im Dezember 2024 wurden nach Berichten von BBC Monitoring bei Angriffen der ADF bzw. dem „Islamischen Staat“ (IS) mindestens 140 Menschen getötet, darunter christliche Zivilisten und Kämpfer, die auf Seiten der kongolesischen Regierung standen. Zu diesen brutalen Angriffen, die sich ausdrücklich gegen christliche Gemeinschaften richten, gehören Massentötungen, das Niederbrennen von Dörfern, Entführungen und Bombenanschläge auf Kirchen. In der Propaganda des IS werden Kirchen routinemäßig als vorrangige Ziele genannt.

Die ADF wurde vom US-Außenministerium als „terroristische Organisation im Ausland“ bezeichnet. Am 28. März 2025 nahm das Europäische Parlament eine Resolution an, in der es die ADF für ihre gezielten Angriffe auf Christen verurteilte. In der Resolution werden die Verbindungen der Gruppe zum IS, die Tötung tausender Zivilisten, darunter viele Christen, und ihre Rolle bei der Destabilisierung der ressourcenreichen Region Nord-Kivu hervorgehoben. Des Weiteren spricht sich das Europäische Parlament für eine Rechenschaftspflicht durch den Internationalen Strafgerichtshof aus, für eine stärkere Unterstützung der MONUSCO-Friedenstruppe sowie für verstärkte internationale Bemühungen, einschließlich der gemeinsamen Operation „Shujaa“ mit Uganda, zum Schutz christlicher Gemeinschaften und zur Wahrung der Religionsfreiheit. Gleichzeitig hat laut Medienberichten die Rebellengruppe M23 ihr Territorium in der Umgebung von Goma weiter ausgedehnt. Ihre Anwesenheit hat den Zugang zu humanitärer Hilfe und das zivile Leben stark beeinträchtigt. In Gebieten, die von der M23 kontrolliert werden, wurden Kritiker – insbesondere christliche Leiter – willkürlich festgenommen, verschwanden spurlos oder wurden unter Drohungen zum Schweigen gebracht. Die Bürger Kongos berichten von einem Klima der Angst, in dem selbst leichte Meinungsverschiedenheiten Entführungen zur Folge haben können.

Frauen und Mädchen bleiben besonders gefährdet in Bezug auf sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt vonseiten bewaffneter Gruppen. Männer und Jungen sind gefährdet, von Milizen zwangsrekrutiert zu werden. Außerdem droht ihnen Entführung und Ermordung. Dschihadisten gehen besonders gegen Leiter von Kirchen und Gemeinden vor.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

104.159.000

95,5

Muslime

1.491.000

1,4

Hindus

152.000

0,1

Buddhisten

5.700

< 0,1

Anhänger ethnischer Religionen

2.467.000

2,3

Juden

410

< 0,1

Bahai

416.000

0,4

Atheisten

21.800

< 0,1

Agnostiker

355.000

0,3

Andere

8.600

< 0,1

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Christen erfahren Schwierigkeiten durch islamistische Milizen, die vor allem in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri aktiv sind. In Ituri geht die ADF besonders brutal vor: auf Kirchen werden Bombenattentate verübt und regelmäßig werden christliche Dorfbewohner entführt oder auf grausame Weise getötet. In Nord-Kivu werden die Christen sowohl von der ADF als auch von de vorrückenden Rebellengruppe M23 bedroht, die ihre Kontrolle durch Einschüchterung und das Verschwindenlassen ausgesuchter Personen ausübt. Süd-Kivu ist nach wie vor instabil, die Gewalt gegen Christen ist dort aber etwas weniger stark als in den oben genannten Regionen. In all diesen Provinzen sind sowohl christliche Leiter als auch christliche Konvertiten aus dem Islam oder aus traditionellen afrikanischen Religionen starkem Druck und Ausgrenzung durch die Gemeinschaft ausgesetzt.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Die Triebkraft der islamischen Unterdrückung zeigt sich in Nord-Kivu und Ituri. Islamistische Milizen wie die ADF und Menschen, die von ihrer Ideologie beeinflusst sind, greifen dort Christen und Kirchen an. Christliche Dörfer werden überfallen, Pastoren entführt und kirchliches Eigentum zerstört, um die christliche Präsenz auszulöschen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex 2024 von Transparency International liegt die DRK auf Platz 163 von 180 (mit einer Punktzahl von 20/100). Korruption sowie Straffreiheit für korrupte Aktivitäten sind sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor weitverbreitet. Christen, die sich für Integrität und Transparenz einsetzen oder Missstände anprangern, insbesondere solche, die in der Zivilgesellschaft und in der Kirchenleitung tätig sind, werden oft zur Zielscheibe von Schikanen, Überwachung und manchmal auch körperlichen Angriffen. Strafverfolgung und Justiz leiden weiterhin unter einem hohen Maß an Korruption.

Diktatorische Paranoia

Die Demokratische Republik Kongo hat unter verschiedenen Regimen enorm gelitten. Der ehemalige Präsident Joseph Kabila hatte ohne Rechtsgrundlage die Wahlen zwei Jahre lang aufgeschoben. Seine Anhänger und der Sicherheitsapparat gingen gegen Christen vor, die ihre Unzufriedenheit über seine Herrschaft zum Ausdruck gebracht hatten. Der derzeitige Amtsinhaber, Präsident Félix Tshisekedi, kam im Dezember 2018 mit dem Versprechen an die Macht, das Durcheinander zu beseitigen und das Land nach vorne zu bringen. Allerdings gibt es bisher keine Reformen, die die Christen im Land spürbar vor den brutalen Angriffen von Rebellengruppen schützen würden. Korruption bleibt weitverbreitet, und der Sicherheitsapparat muss für seine Handlungen weiterhin keine Rechenschaft ablegen. Christen bringen sich in Gefahr, wenn sie entweder die Korruption der Regierung oder die Gewalt der Rebellen kritisieren. Prominente Geistliche, die sich zu Wort melden, werden eingeschüchtert.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm, gemischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit

Ein Großteil der Gewalt in Nord-Kivu, Kisangani und Kasaï hat eine ethnische Komponente. Einige ethnische Anführer und Führer von Rebellengruppen gehören Kulten oder afrikanischen Religionen an, die eine feindselige Haltung gegenüber Christen vermitteln. Christliche Konvertiten und Mitglieder kleinerer Konfessionen sind in einer solchen Umgebung besonders gefährdet.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Römisch-katholische und protestantische Kirchengemeinden erleben Gewalt vonseiten bewaffneter Gruppen; so werden etwa Kirchen angegriffen und Gemeindeleiter eingeschüchtert. Solche Angriffe sind in Zeiten politischer Unruhen an der Tagesordnung. In einem Gebiet, das sich von der Hauptstadt Kinshasa über die zentrale Provinz Kasaï und in jüngerer Vergangenheit auch bis zur östlichen Provinz Nord-Kivu erstreckt, wurden traditionelle Kirchen, Klöster und katholische Schulen von bewaffneten Jugendbanden oder Milizen verwüstet und geplündert.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten zum christlichen Glauben (insbesondere muslimischer Herkunft) gibt es vor allem in Nord-Kivu. Sie sind der Verfolgung durch islamistische Milizen und dem Druck ihrer Familien und ihres sozialen Umfelds ausgesetzt. In geringerem Maß sind auch Christen von diesem Druck betroffen, die von der katholischen Kirche zu einer protestantischen Denomination übergetreten sind oder die sich von einer traditionellen afrikanischen Religion abgewandt haben, um Christen zu werden.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Die baptistischen und pfingstkirchlichen Gemeinden wachsen schnell und werden von der islamisch-extremistischen Gruppe ADF angegriffen. Außerdem werden sie von Mitgliedern traditioneller Kirchen diskriminiert.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 8
Familienleben 7.9
Gesellschaftliches Leben 13.9
Leben im Staat 11.1
Kirchliches Leben 14.5
Auftreten von Gewalt 16.1

Privatleben

In den von der ADF kontrollierten Gebieten ist jedes Bekenntnis zum christlichen Glauben gefährlich. Dschihadisten haben in der Vergangenheit Menschen getötet, die christliche Symbole trugen. Wer sich mit anderen Christen trifft, kann entführt oder getötet werden. Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind (zum Beispiel Katholiken, die sich einer evangelischen Kirche anschließen) sehen sich ebenfalls dem Druck und der Diskriminierung durch ihre Familie und ihr soziales Umfeld ausgesetzt und können sogar aus ihrem Zuhause vertrieben werden. Christen, die vor ihrem Glaubenswechsel traditionelle afrikanische Religionen praktizierten, werden unter Druck gesetzt, sich weiterhin an die traditionellen Rituale zu halten.

Familienleben

In den Gebieten, die von der ADF kontrolliert werden, können Kinder von Christen mitunter aus der Schule entführt oder gezwungen werden, islamische Texte zu lernen. Konvertiten, die sich vom Islam oder der katholischen Kirche abgewandt haben, können ihr Erbe verlieren und zur Scheidung gezwungen werden. Zwangsscheidungen sind einerseits ein Mittel zur Bestrafung dieser Konvertiten, sie sind aber auch durch die Angst motiviert, dass Kämpfer der ADF die Dorfgemeinschaft aus Rache angreifen könnten, weil ein Bewohner den Islam verlassen hat.

Gesellschaftliches Leben

Christliche Geschäfte und Betriebe sind von der ADF und Rebellengruppen in den Bankrott getrieben worden. Dadurch wurden Familien in die Armut gestürzt. Reisen und Bildung, insbesondere für Mädchen, sind aufgrund des Risikos von Entführung, Zwangsheirat und anhaltender Gewalt gefährlich. In einigen Regionen bleiben die Schulen geschlossen oder sind unsicher. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist die Entführung von Mädchen, insbesondere von Christinnen, durch bewaffnete Gruppen weitverbreitet; die Mädchen können zur Ehe mit einem der Gruppenmitglieder gezwungen werden. Christen werden von ihren örtlichen Gemeinschaften überwacht; sie können der Polizei gemeldet und beschattet werden, außerdem kann ihre Kommunikation mitgelesen oder abgehört werden. In den von Milizen kontrollierten Gebieten riskiert jeder, der sich gegen islamistische Gruppen ausspricht, schwere Angriffe. Das bringt Christen zum Schweigen und zwingt sie in soziale Isolation.

Leben im Staat

Gewalt gegen Christen bleibt oft ungestraft. Christen, die öffentlich Ungerechtigkeit, Korruption oder Gewalt anprangern, tun dies oft unter großem persönlichen Risiko. Sowohl bewaffnete Gruppen als auch staatliche Akteure könnten Vergeltungsmaßnahmen ergreifen.

Kirchliches Leben

In Konfliktregionen haben die gewaltsamen Angriffe dazu geführt, dass Dörfer und Kirchen leer stehen. Denn in den östlichen Provinzen hat die ADF gezielt Kirchen angegriffen, Geistliche getötet und ganze Gemeinden vertrieben. Häufig geraten Pastoren, die sowohl als geistliche als auch als bürgerliche Führungspersönlichkeiten angesehen werden, in ihr Visier. Die Regierung überwacht Kirchen und Predigtinhalte, insbesondere solche Kirchen, die als dem Präsidenten gegenüber „unfreundlich“ betrachtet werden. In einigen Gebieten verhindert die Regierung kirchliche Aktivitäten unter dem Vorwand, sie könnten zu öffentlichen Unruhen führen. Das Justizministerium hat seit 2014 keine Genehmigungen für Kirchen mehr erteilt. Tausende von ihnen werden nicht anerkannt und können jederzeit geschlossen werden. Staatliche Schikanen und dschihadistische Gewalt haben das kirchliche Leben in eine prekäre und oft gefährliche Lage gebracht.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

Am 27. Juli 2025 wurden mehr als 38 Menschen getötet, als ADF-Kämpfer in Komanda im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo Christen während einer mitternächtlichen Andacht angriffen. Nach Angaben der Vereinten Nationen und des kongolesischen Militärs wurden auch nahegelegene Geschäfte geplündert und in Brand gesetzt. Im Februar 2025 wurde aus Nord-Kivu berichtet, dass etwa 70 Christen aus dem Dorf Mayeba entführt und später enthauptet in einer Kirche in Kasanga aufgefunden wurden. Später wurde von manchen bestritten, dass sich diese Gewalttat ereignet hätte. Das Massaker wird der ADF zugeschrieben, die seit langem christliche Gemeinschaften in dieser Region ins Visier nimmt. Im November 2024 wurden in dem Dorf Mabisio in der Provinz Nord-Kivu bei einem Angriff von ADF-Kämpfern mindestens 13 Menschen getötet und weitere entführt. Berichten zufolge steht dies im Einklang mit dem seit langem bestehenden Muster der ADF, christliche Gemeinden im Osten der Demokratischen Republik Kongo ins Visier zu nehmen.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

29

72

2025

35

70

2024

41

67

2023

37

67

2022

40

66

Die Demokratische Republik Kongo kommt auf dem Weltverfolgungsindex 2026 insgesamt auf 72 Punkte. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von zwei Punkten, was vor allem auf den zunehmenden Druck im gesellschaftlichen Leben und auf die Wertung des Bereiches Leben im Staat zurückzuführen ist. Christen sehen sich anhaltenden Einmischungen seitens lokaler Behörden und kommunaler Akteure ausgesetzt, insbesondere in Gebieten, in denen die staatliche Kontrolle schwach ist. Im Osten ist die militante islamistische Gruppe ADF eine Hauptquelle der Gewalt: Sie greift christliche Dörfer an, entführt Männer und Frauen, brennt Kirchen nieder und verübt Morde, die ganze Bezirke destabilisieren. Frauen und Mädchen werden entführt und schwer misshandelt. Kirchenleiter werden gezielt eingeschüchtert. Diese kombinierten Bedrohungen, bürokratischen Hindernisse, die Gewalt bewaffneter Gruppen sowie der schwache Schutz durch den Staat erklären die hohe Punktzahl des Landes und auch, warum die christlichen Gemeinschaften weiterhin stark gefährdet sind.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Die Demokratische Republik Kongo ist politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich vielschichtig. In mehreren Regionen werden Frauen allgemein als minderwertig behandelt, was sich auf viele Bereiche ihres Lebens auswirkt, auch auf den Kontakt mit ihren Kindern und ihre Erbberechtigung. Die Konflikte und die Präsenz von mehr als hundert bewaffneten Gruppen in den östlichen Provinzen haben das Leben für Frauen extrem unsicher gemacht. Christlichen Frauen drohen Entführung, Vergewaltigung, sexuelle Folter und Zwangsarbeit; einige von ihnen werden getötet. Die Verfolgung geht insbesondere von der islamisch-extremistische Gruppe ADF und bewaffneten Gruppen in den nordöstlichen Regionen aus. Auch Regierungssoldaten sind in solche Vorfälle verwickelt. Diese Übergriffe verursachen psychische Leiden und Traumata, und die mit erlittener sexualisierter Gewalt verbundene Scham führt häufig zur Isolation der Betroffenen von Familie und Dorfgemeinschaft. Zwangsverheiratung und Zwangsscheidung sind ebenfalls eine Gefahr, vor allem für christliche Konvertitinnen. Mädchen werden manchmal schon im Alter von 12 Jahren als Minderjährige verheiratet und erfahren oft Missbrauch und häusliche Gewalt.

Männer

In einem Umfeld von Gewalt und Straflosigkeit werden christliche Männer Opfer von Entführungen, Zwangsrekrutierungen für Milizen, Zwangsarbeit, (sexuellen) Verstümmelungen und brutalen Morden. Um Entführern zu entkommen, sind die Männer unter Umständen gezwungen, Lösegeld zu zahlen, das die ohnehin verarmten Familien über Jahre hinweg finanziell lähmt. Christliche Männer werden auch am Arbeitsplatz und beim Zugang zu Arbeitsplätzen diskriminiert. Diese Art der Verfolgung dient der Schwächung der Familien und der Kirche im weiteren Sinne, vor allem dann, wenn Gemeindeleiter zur Zielscheibe werden, weil sie die Gewalt öffentlich angeprangert haben.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Größe der religiösen Minderheiten in der Demokratischen Republik Kongo, einschließlich der Muslime, wird oftmals kontrovers diskutiert. Der „Hohe Islamische Rat der Demokratischen Republik Kongo“ schätzt, dass Muslime etwa 14 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen. Diese Zahl wird jedoch von einigen angezweifelt, was zu anhaltenden Meinungsverschiedenheiten führt. Vonseiten der Muslime im Land kam es zu Beschwerden, dass sie nicht die gleichen Privilegien und die gleiche Behandlung wie die Christen erfahren würden.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Demokratische Republik Kongo:

  • Beten Sie für die Pastoren und Gemeindeleiter im Osten des Landes: um den Mut zu bleiben, um Weisheit bei der Vorbereitung der Gemeinden auf Verfolgung und um Mitgefühl im Dienst mit Traumatisierten und Vertriebenen.
  • Beten Sie für die vielen Traumatisierten um tiefe innere Heilung durch Jesus.
  • Beten Sie, dass die Regierung nach echten und dauerhaften Lösungen für die sich verschärfende Sicherheitskrise in der Demokratischen Republik Kongo sucht und durchsetzt.
  • Bitten Sie Jesus, dass er die Gemeinde durch die Trainingsprogramme und Programme für Traumahilfe stärkt, die die Partner von Open Doors durchführen.

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