Kirgisistan
Christenverfolgung in Kirgisistan
Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025
1. Überblick
Russisch-orthodoxe Kirchen erfahren weniger Druck von der Regierung, da sie in der Regel nicht versuchen, mit der kirgisischen Bevölkerung in Kontakt zu treten. Es sind vor allem christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund, die Verletzungen ihrer Religionsfreiheit erleben. Manche von ihnen werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt oder geschlagen. Lokale islamische Prediger wenden sich in ihren Predigten gegen die Konvertiten und sorgen manchmal dafür, dass sie aus ihren Gemeinschaften ausgeschlossen werden. Die lokalen Behörden verfügen über erhebliche Macht und stehen in der Regel unter dem Einfluss der jeweiligen muslimischen Gemeinschaft. Am 1. Februar 2025 trat in Kirgisistan ein neues Religionsgesetz in Kraft. Dadurch wird die staatliche Kontrolle über das religiöse Leben deutlich ausgeweitet: Es gibt strengere Registrierungsvorschriften, ein Verbot nicht registrierter und öffentlicher religiöser Aktivitäten, mehr Befugnisse für die Staatliche Kommission für Religionsangelegenheiten (SCRA) und härtere Strafen – alles Maßnahmen, die die Religions- und Glaubensfreiheit stark beschränken.
Länderprofil als PDF
Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.
2. Hintergrund
Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1991 blieb das kommunistische Regime Kirgisistans weiter an der Macht. Erst 2005 kam es zu einem Volksaufstand, bekannt als „Tulpenrevolution“. Kirgisistan war das erste Land in der Region, das sein postsowjetisches Regime durch eine demokratisch gewählte Regierung ersetzte. Im Jahr 2021 übernahm Sadir Dschaparow das Präsidentenamt, nachdem er bereits Ende 2020 kurzzeitig kommissarischer Präsident gewesen war. Seit Dschaparow an die Macht kam, hat er demokratische Standards schrittweise abgebaut. Politische Gegner, Journalisten, Anwälte, Aktivisten, Menschenrechtler sowie Vertreter der Zivilgesellschaft stehen unter wachsendem Druck. Sie werden zum Schweigen gebracht, verhaftet, angeklagt oder ihre Organisationen werden aufgelöst. Im Jahr 2024 hat die Regierung den Raum für zivilgesellschaftliches Engagement weiter eingeschränkt. Nichtregierungsorganisationen mit ausländischer Finanzierung müssen sich nun registrieren lassen. Sie müssen ihre Arbeit entsprechend kennzeichnen und sich einer starken staatlichen Kontrolle unterwerfen. Bei Nichteinhaltung droht die Auflösung. Mehrere Journalisten, Blogger, Dichter und Schriftsteller wurden verurteilt, weil sie angeblich zu Massenunruhen aufgerufen hatten. Das preisgekrönte Investigativmedium Kloop Media wurde per Gerichtsbeschluss aufgelöst. Das Verbot öffentlicher Proteste im Zentrum von Bischkek gilt seit März. Es wurde bis zum 31. Dezember 2025 verlängert.
Wie Amnesty International im Februar 2024 einschätzte, „ist der Raum für Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Kirgisistan in den vergangenen Jahren erheblich geschrumpft. Vor allem in den vergangenen 18 Monaten haben die Behörden ihre Kampagne zur Unterdrückung aller Formen legitimer öffentlicher Kritik und des friedlichen Ausdrucks abweichender Meinungen intensiviert.“ Dies betrifft laut Amnesty International insbesondere Journalisten und Aktivisten. Im August 2025 unterzeichnete Präsident Dschaparow ein umstrittenes Mediengesetz, das die staatliche Kontrolle über unabhängige Medien erweitert. Das Gesetz verpflichtet alle Medien, einschließlich Online-Plattformen, zur Registrierung bei den Behörden. Zudem dürfen sie nur noch zu einem Anteil von maximal 35 Prozent in ausländischem Besitz sein. Im Bericht 2025 zu Kirgisistan der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) wurde empfohlen, das Land auf der Liste besonders besorgniserregender Länder zu belassen. Dort heißt es: „Im Jahr 2024 hat sich die Religionsfreiheit in Kirgisistan verschlechtert. Die Regierung hat weiterhin friedliche religiöse Praktiken bestraft, restriktive alte Gesetze durchgesetzt und neue Regelungen eingeführt, die internationale Standards zur Religions- und Glaubensfreiheit verletzen.“ Am 8. Juli 2025 hob die USCIRF anhaltende Besorgnis wegen der Religionsfreiheit in Kirgisistan hervor. Sie betonte, wie wichtig es sei, die jüngsten Änderungen am Religionsgesetz zu beobachten. Diese Änderungen behandeln Religion immer stärker als Sicherheitsrisiko. Dadurch wird die Religions- und Glaubensfreiheit eingeschränkt. Es könnte die gesellschaftliche Stabilität gefährden. Gleichzeitig wird es Menschen erschwert, nach ihrem Gewissen zu leben. Die Behörden ahnden religiöse Handlungen streng, darunter auch religiöse Äußerungen im Internet, gemeinsame Gottesdienste und religiöse Lehrveranstaltungen sowie den Besitz nicht genehmigter religiöser Materialien. Das Gesetz schreibt vor, dass sich alle religiösen Gruppen bei den Behörden registrieren lassen müssen, und verbietet die Tätigkeit nicht registrierter religiöser Gruppen. Neben dem problematischen Verlauf der Demokratisierung hat Kirgisistan weitere Schwierigkeiten. Dazu gehören die grassierende Korruption, eine Geschichte konfliktreicher (und zeitweise gewalttätiger) Beziehungen zwischen verschiedenen Ethnien, die Schwachstellen in der Grenzsicherheit und die potenzielle Bedrohung durch islamisch-extremistische Gruppierungen.
Die Kultur Kirgisistans basiert auf islamischen Werten und Traditionen. Siebzig Jahre Atheismus während der Sowjetzeit haben dies nicht auslöschen können, insbesondere in den ländlichen Gebieten. Dort sind christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund nicht nur mit der Repression durch die Regierung konfrontiert, sondern haben auch mit der Unterdrückung durch die Gesellschaft um sie herum zu kämpfen. So wurde in den vergangenen Jahren häufig berichtet, wie muslimische Dorfbewohner verhindert haben, dass christliche Konvertiten beerdigt werden konnten.
Nach Angaben der World Christian Database sind rund 90 Prozent der Bevölkerung Muslime und überwiegend Sunniten. Die Regierung des Landes ist jedoch streng säkular. Das anfängliche Wachstum der christlichen Gemeinde in Kirgisistan, das es nach der Unabhängigkeit 1991 gegeben hatte, ist mittlerweile zum Stillstand gekommen. Tatsächlich geht die Zahl der Christen aktuell zurück. Wie in vielen anderen Ländern Zentralasiens erleben die Kirchen in Kirgisistan die Abwanderung von russischen, ukrainischen und deutschen Gemeindemitgliedern. Eines der größten Probleme für Christen in Kirgisistan und den anderen Ländern Zentralasiens ist die geringe Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Denominationen, was der Regierung in die Hände spielt.
|
Weltanschauungen |
Anhänger |
% |
|
Christen |
207.000 |
3,0 |
|
Muslime |
6.259.000 |
90,1 |
|
Buddhisten |
35.300 |
0,5 |
|
Anhänger ethnischer Religionen |
29.400 |
0,4 |
|
Juden |
390 |
< 0,1 |
|
Bahai |
2.300 |
< 0,1 |
|
Atheisten |
81.200 |
1,2 |
|
Agnostiker |
324.000 |
4,7 |
|
Andere |
4.250 |
< 0,1 |
3. Gibt es regionale Unterschiede?
Der Druck von Muslimen auf christliche Konvertiten ist außerhalb der Großstädte stärker.
4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?
Diktatorische Paranoia
Religiöse Aktivitäten außerhalb der staatlichen und staatlich kontrollierten Einrichtungen sind verboten. Im Jahr 2009 wurde ein neues Religionsgesetz eingeführt, das zahlreiche Einschränkungen mit sich brachte. Der Druck der Behörden wurde im Jahr 2015 verstärkt. Im Jahr 2025 trat ein neues Religionsgesetz in Kraft. Es verstärkt die staatliche Kontrolle über religiöse Praktiken und schränkt die Religions- und Glaubensfreiheit im Land stark ein. Das neue Gesetz macht die Registrierung von Gemeinden fast unmöglich. Jede Gemeinde braucht dafür mindestens 500 Mitglieder. Auch Gebetsstätten müssen registriert werden – selbst bei bereits zugelassenen Gruppen. Außerdem müssen alle religiösen Gemeinschaften alle zehn Jahre neu registriert werden. Die Staatliche Kommission für Religionsangelegenheiten (SCRA) hat weitreichende Befugnisse. Sie kann Registrierungsanträge willkürlich ablehnen und überwacht religiöse Bildung und Aktivitäten. Außerdem darf sie Gemeinschaften verbieten und muss Genehmigungen für Predigten außerhalb registrierter Räume erteilen. Das neue Gesetz sieht auch härtere Strafen für Verstöße vor. Die Geldstrafen wurden deutlich erhöht. Die Polizei oder die SCRA können sie ohne Gerichtsverfahren direkt verhängen. Am 2. April 2024 unterzeichnete Präsident Dschaparow ein umstrittenes Gesetz, das Behörden erlaubt, Organisationen als ‚ausländische Agenten‘ zu registrieren (RFE/RL, 2. April 2024).
Islamische Unterdrückung, gemischt mit Unterdrückung durch den Clan oder Stamm
Wenn einheimische Muslime sich dem christlichen Glauben zuwenden, müssen sie mit Druck durch ihre Familien, Freunde und ihr soziales Umfeld rechnen. Mitunter erfahren sie auch körperliche Gewalt. Damit will man sie zwingen, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche von ihnen werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt oder geschlagen. Lokale islamische Prediger wenden sich in ihren Predigten gegen die Konvertiten und sorgen manchmal dafür, dass sie aus ihren Gemeinschaften ausgeschlossen werden. Die Beerdigung von Konvertiten nach christlichem Ritus ist problematisch und ruft häufig den Widerstand muslimischer Dorfbewohner hervor.
5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?
Christen aus traditionellen Kirchen
Den größten Anteil dieser Gruppe machen die Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche (ROK) aus. Die ROK und andere traditionelle Kirchen sind nicht an der Evangelisation unter der kirgisischen Bevölkerung beteiligt. Daher werden sie von den Behörden nicht als Bedrohung angesehen. Darüber hinaus hat die Regierung Kasachstans kein Interesse daran, Russland durch ein Vorgehen gegen die ROK zu provozieren.
Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)
Da die Gesellschaft Kirgisistans kulturell islamisch geprägt ist, sind christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund am stärksten von Verfolgung betroffen. Sie stehen unter starkem Druck seitens ihrer Familie und Freunde sowie ihres sozialen Umfelds, einschließlich der lokalen Behörden.
Christen aus protestantischen Freikirchen
Freikirchen werden vor allem wegen ihrer evangelistischen Aktivitäten und ihrer Arbeit unter Jugendlichen verfolgt. Sie werden gelegentlich Opfer von Razzien, Drohungen, Verhaftungen und Geldstrafen durch die Behörden. Das neue Religionsgesetz aus dem Jahr 2025 untersagt es, für den christlichen Glauben zu werben oder ihn mit anderen zu teilen. Dadurch werden die betroffenen Gemeinschaften stark eingeschränkt.
6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?
Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.
Privatleben
Konvertiten versuchen, ihren christlichen Glauben zu verbergen, aus Angst vor „Strafmaßnahmen“ durch ihr soziales Umfeld. Besonders bei Treffen mit anderen Christen müssen sie wachsam sein, denn es ist wahrscheinlich, dass ihre Familien sie überwachen. Christen aus protestantischen Freikirchen sowie christliche Konvertiten verhalten sich äußerst vorsichtig und vermeiden es etwa, Kreuze oder ähnliche christliche Symbole zu tragen, um nicht die Aufmerksamkeit des Staates und seiner Vertreter auf sich zu ziehen. Freikirchliche Christen müssen sich außerdem davor hüten, nicht der Evangelisation bezichtigt zu werden – insbesondere in Gebieten, in denen die örtlichen Behörden stark von dem islamischen Umfeld beeinflusst sind.
Familienleben
Für Familien christlicher Konvertiten kann es sich als schwierig erweisen, ihre Toten zu begraben, weil die Dorfgemeinschaft dies ablehnt. Beerdigungen von Christen werden häufig von der örtlichen Gemeinschaft und ihren Anführern verweigert.
Das Gesetz verbietet jede kirchliche Arbeit unter Jugendlichen. Manchmal veranstalten Schulverwaltungen und andere schulische Einrichtungen staatlich finanzierte Treffen zur Bekämpfung von „Sekten“ – diese Veranstaltungen sind im Grunde Propagandaaktionen gegen religiöse Minderheiten, einschließlich evangelikaler Kirchen. Kinder von christlichen Konvertiten werden in der Schule von Lehrern und Mitschülern häufig gedemütigt und beleidigt, wenn diese erfahren, dass sie Christen sind.
Gesellschaftliches Leben
Christen erfahren im gesellschaftlichen Bereich regelmäßig Bedrohung und Schikane: Der Staat geht gegen Christen vor, die nicht registrierten kirchlichen Gruppen angehören.
Und christliche Konvertiten muslimischer Herkunft werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, islamisch geprägte Sitten und Gewohnheiten einzuhalten und an religiösen Festen in ihren Dörfern teilzunehmen.
Christen aus traditionellen Kirchen, die sich freikirchlichen Gruppen angeschlossen haben, stehen ebenfalls unter Druck, zu ihrer ursprünglichen Konfession zurückzukehren – wobei auch in diesem Fall der Druck vom sozialen Umfeld und nicht von den Behörden ausgeübt wird.
Leben im Staat
Die Verfassung garantiert die Gewissens- und Religionsfreiheit und verbietet religiösen Gruppierungen, zu religiösem Hass aufzurufen. Sie schreibt die Trennung von Religion und Staat fest und verbietet die Verfolgung politischer Ziele durch religiöse Gruppen. Außerdem ist gesetzlich festgeschrieben, dass sich alle religiösen Gruppen bei der Regierung registrieren lassen müssen. Aktivitäten von nicht registrierten religiösen Gruppen sind verboten. Im aktuellen Berichtszeitraum verboten die Behörden 21 „religiös orientierte“ Gruppen, die sie als extremistisch einstuften. Neun Mitglieder einer dieser verbotenen Gruppen wurden inhaftiert, weil sie illegales religiöses Material verteilten. Das neue Religionsgesetz von 2025 weitet die staatliche Kontrolle über die Religionsausübung aus und schränkt die Religions- und Glaubensfreiheit erheblich ein.
Kirchliches Leben
Die Registrierung einer Kirche ist Pflicht, aber das behördliche Registrierungsverfahren ist umständlich und mit vielen Auflagen verbunden. Am 1. Februar 2025 trat das neue Religionsgesetz in Kraft. Es verbietet jede religiöse Aktivität ohne staatliche Registrierung. Religiöse Gemeinschaften müssen sich alle zehn Jahre neu registrieren lassen. Die Mindestzahl der Gründungsmitglieder für eine Registrierung wurde von 200 auf 500 erwachsene Bürger erhöht. Selbst bei bereits registrierten Gruppen müssen Gebetsstätten zusätzlich registriert werden. Das Gesetz untersagt es, in der Öffentlichkeit oder von Haus zu Haus den Glauben weiterzugeben. Es führt eine strenge staatliche Kontrolle über religiöse Bildung, Predigten und Literatur ein. Artikel 4 des Religionsgesetzes von 2009 verbietet es außerdem, Kinder ohne Einwilligung der Eltern in religiöse Gruppen einzubeziehen.
Am 19. März 2025 wurde die Freie Reformierte Adventistengemeinde „True and Free“ in einem nichtöffentlichen Verfahren als „extremistisch“ verboten. Das Urteil wurde am 4. August 2025 rechtskräftig. Darüber hinaus dürfen im Issyk-Kul-See keine Taufen mehr durchgeführt werden.
Beispiele für das Auftreten von Gewalt
Am 13. November 2024 wurden die Pastoren Shreider und Igor Tsoy während ihrer Haft und Vernehmung gefoltert. Mehrere Beamte würgten sie und misshandelten sie schwer mit einer Eisenstange und einer Pistole, um sie zu falschen Geständnissen zu zwingen. Am gleichen Tag führten Beamte des Nationalen Sicherheitskomitees Razzien in Gebetsstätten und Häusern von Christen durch, die den Freien Reformierten Adventisten in Bischkek angehörten. Im Juni 2025 wurden fünf Leiter während einer protestantischen Konferenz festgenommen und abgeschoben.
Ein Gericht in Bischkek verurteilte Pastor Shreider am 10. Juli 2025 zu drei Jahren Gefängnis und anschließender Deportation in ein Arbeitslager wegen angeblicher „Anstachelung zu rassischer, ethnischer, nationaler, religiöser oder regionaler Feindschaft“.
Im Berichtszeitraum wurden drei Mädchen zwangsverheiratet.
Mindestens zehn Christen wurden gezwungen, ihr Elternhaus wegen extremer häuslicher Gewalt zu verlassen, so berichteten Quellen.
7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren
|
Jahr |
Platzierung |
Punktzahl |
|
2026 |
40 |
68 |
|
2025 |
47 |
66 |
|
2024 |
61 |
59 |
|
2023 |
59 |
59 |
|
2022 |
59 |
58 |
Die Gesamtpunktzahl des Landes ist mit 68 Punkten höher als im Vorjahr (rund 66), was auf die ersten Auswirkungen eines neuen Religionsgesetzes zurückzuführen ist. Der Druck auf Christen hat im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2026 in drei Lebensbereichen leicht zugenommen. Besonders die deutlich höhere Zahl an gewaltsamen Vorfällen führte zu einer höheren Gesamtpunktzahl. Wie in den meisten anderen Ländern Zentralasiens ist auch in Kirgisistan der Druck im Bereich des kirchlichen Lebens und des Privatlebens am größten. Die islamische Unterdrückung, die sich in Kirgisistan mit der Unterdrückung durch den Clan oder Stamm vermischt, dominiert im privaten und familiären Bereich. Dagegen überwiegt im staatlichen und kirchlichen Bereich die Verfolgung durch die Triebkraft der diktatorischen Paranoia. Im Bereich gesellschaftliches Leben wirken beide Triebkräfte – die islamische Unterdrückung wie auch die diktatorische Paranoia – zusammen. Muslimische Familienangehörige, Freunde und Dorfbewohner üben vor allem auf christliche Konvertiten muslimischer Herkunft Druck aus, während die Regierung kirchliche Aktivitäten mit vielen Einschränkungen belegt. Religiöse Aktivitäten außerhalb der staatlichen und staatlich kontrollierten Einrichtungen sind verboten.
8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?
Frauen
Männer und Frauen sind rechtlich zwar gleichgestellt, doch in der traditionellen islamischen Kultur sind Frauen den Männern in den Familien untergeordnet. Christliche Konvertitinnen sind mitunter von verbalem und körperlichem Missbrauch, Hausarrest, Zwangsheirat, familiärer Gewalt oder Vergewaltigung betroffen. In Kirgisistan hat der Brautraub eine lange Tradition; in ländlichen, konservativen Gebieten stehen Konvertitinnen in der Gefahr, entführt und mit einem Muslim verheiratet zu werden. Ist eine christliche Konvertitin bereits verheiratet, wird sie in der Regel von ihrem muslimischen Ehemann zwangsweise geschieden.
Männer
Männer sind in Kirgisistan in der Regel die Hauptverdiener einer Familie. Wenn also ein Christ aufgrund seines Glaubens seinen Arbeitsplatz oder sein Geschäft verliert, leidet seine ganze Familie darunter. Wenn der Glaubenswechsel eines christlichen Konvertiten bekannt geworden ist, wird er von seiner Familie und seinem sozialen Umfeld schikaniert und hart verhört. Kirchen und Gemeinden werden in der Regel von Männern geleitet. Die Verfolgung dieser Gemeindeleiter erfolgt auf psychologischer, physischer und wirtschaftlicher Ebene. Sie wirkt sich auf die gesamte Gemeinde aus und verbreitet Angst und Schrecken unter den Gemeindemitgliedern. Christliche Männer werden täglich diskriminiert – sei es am Arbeitsplatz, in der Armee oder in ihrer Gemeinschaft. Der Druck ist am höchsten in den ländlichen Gebieten, abseits der großen Städte.
9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen
Im Bericht des US-Außenministeriums zur internationalen Religionsfreiheit 2023 wird zu Kirgisistan festgehalten: „Die Behörden belegten 21 ‚religiös orientierte‘ Gruppen, die sie als extremistisch einstuften, mit einem Verbot. Darunter sind auch muslimische Gruppen wie Hizb ut-Tahrir oder Yakin Inkar. Nach dem Gesetz dürfen verbotene Gruppen im Land nicht aktiv sein und kein Material vertreiben, auch nicht im Internet.
Im August [2023] führte die Regierung in der südlichen Region Osch mehrere Razzien in religiösen Stätten durch und schloss 39 Moscheen und 21 Medressen. Im Anschluss an die Razzien erklärte die Regierung, die geschlossenen Moscheen hätten nicht über die offiziellen Dokumente und Registrierungen verfügt sowie gegen geltende Architektur- und Baunormen verstoßen.“ Das neue Religionsgesetz von 2025 betrifft muslimische und andere religiöse Minderheiten. Religiöse Minderheiten wie die Ahmadiyya-Muslime, Falun Gong und die Zeugen Jehovas wurden wegen angeblichem „Extremismus“ verboten oder strafrechtlich verfolgt. Die Zeugen Jehovas erlebten im August 2024 in Kyzyl-Kiya und Naryn während friedlicher Gottesdienste Polizeirazzien, Festnahmen und Schikanen. Die Hare-Krishna-Gemeinschaft in Bischkek wurde nach einer Razzia bei einer öffentlichen Veranstaltung im November 2024 mit einer Geldstrafe belegt.
10. Gebetsanliegen
Bitte beten Sie für Kirgisistan:
- Viele einheimische kirgisische Christen werden von ihren Verwandten, ihrer Familie, den lokalen Behörden und den Einwohnern ihres Dorfes verfolgt. Beten Sie, dass sie stark im Glauben bleiben und an Jesus festhalten.
- Einige Christen aus Kirgisistan mussten aus ihren Dörfern und Häusern fliehen. Beten Sie für ihre Sicherheit.
- Bitten Sie Gott, dass er die Herzen der Kirgisen gegenüber Christen verändert. Beten Sie, dass Christen von ihren Freunden, Familien, Nachbarn und Regierungsvertretern akzeptiert werden.
- Mancherorts können Christen – vor allem Konvertiten aus dem Islam – ihre Angehörigen nicht auf den örtlichen Friedhöfen beerdigen, da ihnen dies von den örtlichen muslimischen Leitern verboten wird. Beten Sie, dass dies aufhört und es Christen stattdessen möglich wird, angemessen zu trauern.
- Ein neues Religionsgesetz aus dem Jahr 2025 macht es für viele Christen nahezu unmöglich, legal Gottesdienst zu feiern. Bitten Sie Jesus, neue Wege zu schaffen, damit sich die Christen sicher versammeln können.