Bangladesch
Christenverfolgung in Bangladesch
Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025
1. Überblick
Die christliche Minderheit in Bangladesch steht inmitten einer unsicheren Gesamtsituation unter wachsendem Druck. Bangladesch ist eines der wenigen Länder, in denen es Konvertiten zum christlichen Glauben aus vier unterschiedlichen religiösen Hintergründen gibt: christliche Konvertiten muslimischer, hinduistischer und buddhistischer Herkunft sowie mit Hintergrund in einer Stammesreligion. Diese Konvertiten erleiden im Vergleich zu den anderen Christen in Bangladesch die schwerste Verfolgung. Aus Angst vor Angriffen versammeln sie sich oft in kleinen Hauskirchen oder geheimen Gruppen. Christen aus protestantischen Freikirchen, die das Evangelium unter der muslimischen Mehrheitsbevölkerung weitergeben, sind mit Verfolgung konfrontiert, aber auch Christen aus traditionellen Kirchen wie der römisch-katholischen Kirche sehen sich zunehmend Angriffen und Morddrohungen ausgesetzt. Christen aus ethnischen Minderheiten sind zunehmend doppelt gefährdet, denn sie gehören sowohl zu einer ethnischen als auch zu einer religiösen Minderheit. Sie sind mit Landraub und Gewalt konfrontiert. Auch die Christen unter den mehrheitlich muslimischen Rohingya, die aus Myanmar nach Bangladesch geflohen sind, sind Schikanen und starkem Druck seitens ihrer Gemeinschaft ausgesetzt. Im August 2024 floh die langjährige Premierministerin Sheikh Hasina Wajed aus dem Land. Die daraus resultierenden Unruhen wurden unter anderem von extremistischen Muslimen missbraucht, um religiöse Minderheiten wie Hindus und Christen anzugreifen. Dabei wurden viele Angriffe, insbesondere auf Konvertiten, nicht gemeldet.
Länderprofil als PDF
Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.
2. Hintergrund
Bangladesch hat eine lange Geschichte von Unruhen und ist ein relativ junger Staat, der 1971 durch einen Krieg von Pakistan unabhängig wurde. Seitdem gab es mehrere Phasen politischer Instabilität. Zivile Regierungen und Militärherrschaft wechselten sich ab. Die Wahlen werden regelmäßig von viel Gewalt begleitet.
In einer überraschenden und beispiellosen Entwicklung wurde im August 2024 Premierministerin Sheikh Hasina Wajed, die das Land seit 2009 mit eiserner Hand regiert hatte, abgesetzt. Vorausgegangen waren Studentenproteste, bei denen Hunderte von Demonstranten getötet wurden. Hasina floh ins benachbarte Indien und eine Übergangsregierung unter dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus wurde gebildet. Seine Regierung hatte jedoch Mühe, die Erwartungen zu erfüllen, beispielsweise die zunehmende Gewalt gegen Minderheiten einzudämmen. Verschiedene Teile der Gesellschaft, insbesondere islamistische Gruppierungen, bemühten sich, vor den für Februar 2026 angekündigten Wahlen an Einfluss zu gewinnen.
Nach den Schätzungen der World Christian Database vom April 2025 sind knapp 89 Prozent der Bevölkerung Muslime, überwiegend Sunniten. Der Anteil der Christen an der Bevölkerung ist zwar klein (etwa 0,5 %), aber sie zählen fast eine Million und bilden eine sehr vielfältige Gruppe. Die Beziehungen zwischen der christlichen Gemeinschaft und der Regierung waren traditionell gut. Die frühere Premierministerin Sheikh Hasina Wajed hatte im Juli 2014 sogar eine Katholikin zu ihrer persönlichen Assistentin ernannt. Eine Reihe von Morden an säkularen Journalisten sowie an Angehörigen verschiedener religiöser Minderheiten haben die christliche Gemeinschaft jedoch verängstigt, sodass Christen zurückhaltender geworden sind. Die Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten, der zunehmende Einfluss des gewaltbereiten islamischen Extremismus in den vergangenen Jahren und die gewaltsamen Unruhen im Jahr 2024 haben die Christen jedoch verwundbarer gemacht.
Der gewalttätige extremistische Islamismus hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt. Die hinduistische Bevölkerung des Landes (9 Prozent) ist von den Angriffen der Islamisten direkt betroffen. Die Christen sind eine winzige Minderheit und werden ausgegrenzt. Christliche Konvertiten geraten schnell unter Druck, entweder durch islamisch-extremistische Gruppen oder aufgrund der allgegenwärtigen islamischen Kultur, und sie erfahren viel Gewalt.
Etwa die Hälfte der Christen in Bangladesch gehört der römisch-katholischen Kirche an. Deren Diözesen sind über das ganze Land verteilt. Auch Protestanten gibt es im ganzen Land, vor allem jedoch in den Stammesgebieten der ethnischen Minderheiten in den sogenanten Chittagong Hill Tracts. Zu den protestantischen Gemeinden in Bangladesch gehören Baptisten, Brüdergemeinden, Lutheraner, Siebenten-Tags-Adventisten, Assemblies of God und die Church of Bangladesh (eine Vereinigung von Anglikanern und Methodisten).
Bangladesch ist zwar ethnisch weitgehend homogen – 98 Prozent der Bevölkerung sind Bengalen –, aber es gibt auch ethnische Minderheiten wie etwa die Chakma. Hinzu kommen die auch als „Hill Tribe People“ bezeichneten ethnischen Minderheiten in den Chittagong Hill Tracts (zum Beispiel die Garo, Santal und Bawm), von denen viele Christen sind. Die Hill Tribe People werden von den Behörden vernachlässigt und diskriminiert und von der Mehrheitsgesellschaft schikaniert, etwa durch Landraub (ein immer wiederkehrendes Problem), einschließlich der Zerstörung von Häusern und Feldern. Christen aus den Hill Tribe People sind in doppelter Hinsicht verwundbar: Sie gehören einer ethnischen Minderheit an und sie sind Christen. Auch Angriffe von anderen Stämmen sind ein ständiges Risiko.
| Weltanschauungen | Anhänger | % |
| Christen | 950.000 | 0,5 |
| Muslime | 156.582.000 | 88,75 |
| Hindus | 16.397.000 | 9,3 |
| Buddhisten | 1.264.000 | 0,7 |
| Anhänger ethnischer Religionen | 759.000 | 0,4 |
| Juden | 210 | < 0,1 |
| Bahai | 12.700 | < 0,1 |
| Atheisten | 15.600 | < 0,1 |
| Agnostiker | 125.000 | < 0,1 |
| Andere | 316.490 | 0,2 |
3. Gibt es regionale Unterschiede?
Die nördliche Region Bangladeschs mit den Chittagong Hill Tracts und ihren vielen ethnischen Minderheiten ist ein oft übersehener Brennpunkt der Verletzungen von Religionsfreiheit. Dort werden die Rechte von Christen sowohl durch die muslimische Mehrheit als auch durch die buddhistische Minderheit eingeschränkt. In den vergangenen Jahren entwickelte sich ein weiterer Krisenherd, da Bangladesch mehr als eine Million muslimischer Flüchtlinge aus dem benachbarten Myanmar aufnahm. Die meisten von ihnen leben in einem Flüchtlingslager im Distrikt Cox’s Bazar, an der südöstlichen Spitze von Bangladesch. Das Land hat selbst mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft große Mühe, die Geflüchteten zu versorgen. Die Rückführungsbemühungen sind immer wieder ins Stocken geraten. Je länger die Geflüchteten in den Lagern bleiben müssen, umso höher ist das Risiko, dass sich einige von ihnen islamistisch radikalisieren. Die in Myanmar im Rakhaing-Staat verbliebene Minderheit der Rohingya wird weiterhin von der Militärjunta unterdrückt. Daher ist es für die Geflüchteten in Bangladesch unmöglich zurückzukehren. In den Flüchtlingslagern lebt auch eine winzige Minderheit christlicher Konvertiten aus den Rohingya. Sie sind zunehmendem Druck und Gewalt ausgesetzt, haben aber keine Möglichkeit zu entkommen.
4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?
Diktatorische Paranoia, gemischt mit islamischer Unterdrückung
Die Politik in Bangladesch wurde traditionell von der Feindschaft zwischen den Parteien der „Awami-Liga“ und der „Bangladesh Nationalist Party“ (BNP) beherrscht. Beide Parteien haben islamistischen Gruppen im Land nachgegeben, um mehr Stimmen zu erhalten. Christen und andere religiöse Minderheiten in Bangladesch genießen zwar mehr Freiheit als in vielen anderen muslimischen Ländern, doch sie werden aufgrund der zunehmenden politischen Instabilität und Gewalt oft zum Sündenbock gemacht. So war es bereits in den letzten Jahren der Regierung von Sheikh Hasina Wajed, als sie Gerüchte über eine Verschwörung des Westens verbreitete, die darauf abziele, im Süden des Landes einen christlichen Staat zu schaffen. Außerdem hat die Eskalation des Konflikts zwischen der Hamas und Israel die Spannungen zwischen Muslimen und Christen verschärft, wobei sich die Muslime in Bangladesch mit den muslimischen Palästinensern identifizieren und die Christen als Verbündete Israels betrachtet werden. Besonders beunruhigend waren außerdem die offenkundigen Verbindungen der BNP zu islamisch-extremistischen Gruppen, die in der Vergangenheit durch politisch motivierte Gewalttaten aufgefallen sind.
Religiös motivierter Nationalismus, gemischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit und Unterdrückung durch den Clan oder Stamm
In Bangladesch gibt es fast doppelt so viele Buddhisten und mehr als zehnmal so viele Hindus wie Christen. Buddhisten finden sich vor allem unter den ethnischen Minderheiten an der Grenze zu Indien und Myanmar. In jüngster Vergangenheit haben sich immer mehr Menschen aus dem Volk der Chakma vom Buddhismus ab- und dem christlichen Glauben zugewandt. Diese Konvertiten erfahren Druck von der örtlichen Gemeinschaft, buddhistischen Leitern und Stammesführern sowie extremistischen Buddhisten, die den christlichen Glauben bekämpfen wollen. In mehrheitlich hinduistischen Gemeinschaften werden christliche Konvertiten von ihren Familien und Ortsvorstehern unter Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren.
5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?
Ausländische Christen und Arbeitsmigranten
Zu dieser Gruppe gehören Botschaftsangehörige und ausländische Arbeitsmigranten der wirtschaftlich bedeutsamen Textilbranche. Sie werden beobachtet und mitunter von militanten Islamisten bedroht. Zu dieser Gruppe gehören auch die christlichen Konvertiten aus dem Volk der Rohingya aus Myanmar.
Christen aus traditionellen Kirchen
Zu dieser Gruppe gehören Christen der römisch-katholischen Kirche und der Church of Bangladesh (eine Vereinigung von Anglikanern und Methodisten). Sie werden häufig bedroht und beobachtet.
Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)
Christliche Konvertiten haben in Bangladesch unterschiedliche Hintergründe: Sie sind ehemalige Muslime, Hindus, Buddhisten oder Angehörige von Stammesreligionen und sind der stärksten Verfolgung ausgesetzt – nicht zuletzt durch ihre eigenen Familien und ihr soziales Umfeld. Sie versammeln sich deshalb oft heimlich.
Christen aus protestantischen Freikirchen
Hierbei handelt es sich um Christen evangelikaler, baptistischer und pfingstkirchlicher Gemeinden. Einige von ihnen, etwa die Denomination Assemblies of God, versammeln sich hauptsächlich in Hausgemeinden zum Gottesdienst. Sie werden häufig bedroht und zuweilen gewaltsam angegriffen.
6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?
Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.
Privatleben
Für Christen kann es schwierig sein, ihren Glauben privat zu praktizieren. So leben christliche Konvertiten in Angst und ziehen es oft vor, ihren Glaubenswechsel vor ihrer Familie geheim zu halten. Wer sich entschließt, seinen Glauben dennoch zu offenbaren, wird meist belästigt, schikaniert und bedroht. Aufgrund von familiärem Druck und gesellschaftlicher Kontrolle kann es riskant sein, andere Christen zu treffen.
Familienleben
Das Recht darauf, die eigenen Kinder gemäß der persönlichen religiösen Überzeugungen zu erziehen, ist für Christen nicht immer gewährleistet. Christliche Feiern werden vielfach gewaltsam durch aufgebrachte Menschenmengen gestört. Kinder von Christen erfahren Diskriminierung im Bildungsbereich, weil zum einen in den Lehrplänen der Islam eine Vorrangstellung innehat und weil zum anderen islamische Schüler mehr Möglichkeiten bekommen und gegenüber nicht muslimischen Schülern bevorzugt werden. Häufig fehlt es auch an christlichen Lehrern. Kinder von christlichen Konvertiten werden gezwungen, weiterhin den islamischen Unterricht zu besuchen und islamische Lehrbücher zu benutzen.
Gesellschaftliches Leben
Angesichts ihrer geringen Zahl sind Christen im Hinblick auf ihre soziale und wirtschaftliche Sicherheit oft ihrem Umfeld ausgeliefert. Der Druck von Islamisten kann die Gemeinschaft dazu ermutigen, sich Christen gegenüber feindselig zu zeigen und diese aufzufordern, ihrem Glauben abzuschwören. Islamisch-extremistische Gruppen nehmen bedürftige Familien ins Visier und drängen sie zu konvertieren, indem sie ihnen Geld, Lebensmittel oder Bildung für ihre Kinder anbieten. Außerdem sind Massenausschreitungen, bei denen Gruppen von christlichen Konvertiten zum Angriffsziel geworden sind, in den letzten Jahren häufiger geworden. Offiziell besagt Artikel 28, Absatz 1 der Verfassung von Bangladesch aus dem Jahr 1972: „Der Staat darf keinen Bürger aus Gründen der Religion, der Rasse, der Kaste, des Geschlechts oder des Geburtsortes diskriminieren.“ Artikel 29 gewährleistet zudem die Chancengleichheit im öffentlichen Dienst. Faktisch sind Minderheiten und insbesondere Christen jedoch einer weitverbreiteten Diskriminierung sowohl in sozialer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht ausgesetzt. Schüler werden regelmäßig nach ihrem Namen beurteilt: Das führt dazu, dass Christen Prüfungen über islamische Religion ablegen müssen, weil sie islamische Namen haben, obwohl sie nachweislich Christen sind.
Leben im Staat
Artikel 41, Absatz 1a der Verfassung von Bangladesch schützt das Grundrecht aller Bürger, sich frei zu ihrer Religion zu bekennen, diese auszuüben und zu verbreiten. Rechtlich gesehen muss jede Person, die konvertieren möchte, einen Anwalt aufsuchen und ein unterschriebenes Dokument mit der Erklärung vorlegen, dass der Glaubenswechsel aus persönlichen Gründen, ohne Druck und aus freiem Willen erfolgt ist. Für jeden Christen, Buddhisten oder Hindu, der Muslim werden möchte, ist dieses Verfahren nicht viel mehr als eine Formalität. Im Gegensatz dazu werden Muslime, die Christen werden wollen, vom Anwalt unter Druck gesetzt; und manchmal weigert er sich sogar (rechtswidrig), den Glaubenswechsel zu beurkunden.
Der Sturz der Premierministerin und die damit verbundenen Unruhen hatten unmittelbare Auswirkungen für Christen. Der langfristige Schutz der religiösen Minderheitenrechte wird davon abhängen, wie die künftige Regierung aussehen wird.
Kirchliches Leben
Die Feindseligkeit gegenüber Christen, die in den vergangenen Jahren zugenommen hat, macht den Aufbau und die Aufrechterhaltung eines lebendigen Gemeindelebens zu einer zähen Aufgabe. Viele islamisch-extremistische Gruppen überwachen christliche Gemeinden; sie schikanieren diejenigen, die sie der Missionierung verdächtigen, und drohen ihnen mit Gewalt. Konvertiten muslimischer Herkunft werden von ihren Familien und den lokalen Behörden etwa in den Stammesgebieten in hohem Maß kontrolliert. Vor diesem Hintergrund scheuen sich viele Gemeindeleiter, Konvertiten muslimischer Herkunft zu taufen – sie befürchten gewaltsame Racheakte.
Beispiele für das Auftreten von Gewalt
Im November 2024 wurden zwei Christen muslimischer Herkunft in ihrer Gemeinde angegriffen. Zuvor hatte eine Gruppe örtlicher Muslime sie gestellt und aufgefordert, die Gottesdienste zu beenden.
Jetzt sind die 26 Familien, aus denen die Gemeinde besteht, untergetaucht und leben in Angst vor weiteren Angriffen.
Laut Medienberichten wurden am 24. Dezember 2024 in der Region Bandarban 17 Häuser von Christen durch unbekannte Angreifer in Brand gesetzt. Im März 2025 wurden zwei Christen im Norden Bangladeschs verhaftet, weil sie angeblich den Islam beleidigt und Menschen durch Bestechung zur Annahme des christlichen Glaubens gebracht haben sollen. Am 17. Juli 2025 starb Berichten zufolge ein Angehöriger des indigenen Volkes der Bawm im Krankenhaus, nachdem er mehr als ein Jahr lang ohne formelle Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert gewesen war. Die Bawm sind Christen. Im Zuge ihres Kampfes gegen die bewaffnete Widerstandsgruppe Kuki-Chin National Front geht die Armee Bangladeschs mit aller Härte gegen sie vor.
7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren
| Jahr | Platzierung | Punktzahl |
| 2026 | 33 | 71 |
| 2025 | 24 | 74 |
| 2024 | 26 | 71 |
| 2023 | 30 | 69 |
| 2022 | 29 | 68 |
Die Punktzahl von Bangladesch ist gegenüber dem Vorjahr um drei Punkte niedriger. Im Vorjahr wiederum war die Punktzahl drei Punkte höher als im vorausgegangenen Jahr. In beiden Fällen ist der Unterschied auf die veränderte Bewertung der Gewalt zurückzuführen. Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2025 hatte es im Zusammenhang mit den Unruhen im August 2024 sowie aufgrund des Vorgehens der Armee gegen die Bawm mehr Angriffe auf Kirchen und christliche Einrichtungen gegeben. Im aktuellen Berichtszeitraum gab es dagegen weniger Fälle von Gewalt. Aber die höheren Wertungen in den Lebensbereichen Privatleben, Familienleben, gesellschaftliches Leben und kirchliches Leben spiegeln den langfristigen Trend wider, dass Christen unter immer größerem Druck leiden und in immer stärker bedroht sind. Die niedrigere Punktzahl im Bereich Leben im Staat zeigt, dass die Übergangsregierung eine gewisse Stabilität herbeigeführt und die Rechte von Minderheiten anerkannt hat. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass in den kommenden Jahren die Situation der Christen deutlich gefährlicher werden könnte.
8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?
Frauen
In der Gesellschaft Bangladeschs, die patriarchalisch und von Klassenstrukturen geprägt ist, ist das Leben als Frau nach wie vor schwierig. Der Anteil von Kinderehen ist im weltweiten Vergleich einer der höchsten. Christliche Konvertitinnen sind der Verfolgung durch ihre Familien und ihr soziales Umfeld ausgesetzt, denn die Abkehr vom Islam wird als Verrat an der Kultur und Religion betrachtet. Christliche Frauen und Mädchen, insbesondere Konvertitinnen, sind Schikanen, Ausgrenzung, demütigenden Ritualen, sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen, Zwangsheirat oder Hausarrest ausgesetzt. Ein großer Teil ihrer Verfolgung ist „unsichtbar“. Dazu gehört psychische Gewalt, Isolation und Kontrolle unter Ausnutzung der Schamkultur. Die Behörden bleiben oft untätig, was der Straflosigkeit Vorschub leistet. Entführung und Zwangsheirat sind konkrete Bedrohungen für alle christlichen Frauen und Mädchen. Flüchtlingslager sind Orte, an denen Frauen und Mädchen besonders gefährdet sind. Besonders prekär ist die Lage für Christinnen aus den Rohingya, die vor der Gewalt in Myanmar geflohen sind.
Männer
Die patriarchalische Kultur in Bangladesch führt häufig dazu, dass Männer zuerst Christen werden. Da sie als diejenigen angesehen werden, die ihre Familien führen, sind Männer und Jungen oft als Erste der Verfolgung ausgesetzt. Nach dem Rücktritt von Premierministerin Sheikh Hasina Wajed im Jahr 2024 haben die politischen Umwälzungen den Druck erhöht. Christliche Männer und Jungen werden in der Öffentlichkeit verprügelt, gefoltert, falsch beschuldigt und von den Behörden und ihrem Umfeld geächtet. Einige werden wegen erfundener Drogen- oder Bestechungsvorwürfe angeklagt. Männer, die einer ethnischen Minderheit angehören, wie z. B. den Bawm, werden bei Einsätzen zur Bekämpfung von Aufständischen zur Zielscheibe. Der Druck durch das soziale Umfeld und die örtlichen muslimischen Anführer veranlasst Männer manchmal dazu, ihr Zuhause zu verlassen und zu fliehen. Da die Männer die Hauptverdiener der Familie sind, wirkt es sich auf die ganze Familie aus, wenn sie wegen ihres Glaubens ihre Arbeit verlieren oder inhaftiert werden. Für Kirchenleiter ist die Gefahr, verhaftet zu werden, besonders groß.
9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen
Obwohl sich die Regierung zum Schutz von Minderheiten verpflichtet hat, gibt es Berichte über Angriffe. So berichtete Al Jazeera beispielsweise im Dezember 2024, dass eine aufgebrachte Menge muslimischer Männer zum Haus eines Hindus zog, der angeblich den Koran beleidigt hatte. Die Männer brachen die Tür auf, stahlen sein Hab und Gut, brannten einen Teil des Hauses nieder und griffen anschließend weitere Häuser an. Auch die Gemeinschaften der Ahmadiyya sind UN-Berichten zufolge immer noch Angriffen und Vandalismus ausgesetzt.
10. Gebetsanliegen
Bitte beten Sie für Bangladesch:
- Beten Sie, dass christliche Konvertiten trotz des Drucks durch Familie und sozialem Umfeld an Jesus festhalten.
- Beten Sie um Gelegenheiten zur Gemeinschaft mit anderen Christen – und um Schutz vor Angriffen bei diesen Treffen.
- Beten Sie um Trost und Ermutigung für Christen aus ethnischen Minderheiten, die doppelt benachteiligt werden.
- Beten Sie, dass durch das Zeugnis christlicher Konvertiten viele Menschen in ihrem Umfeld für Christus gewonnen werden.
- Beten Sie, dass die Übergangsregierung Frieden im Land herstellen kann und den Weg für eine neue Regierung ebnet, die um das Wohl aller Bürger bemüht ist.