Weltverfolgungsindex 2026

Saudi-Arabien

Christenverfolgung in Saudi-Arabien

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Die meisten Christen in Saudi-Arabien kommen aus dem Ausland, insbesondere aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Asien und Afrika, aber auch aus einigen westlichen Ländern. Mit Ausnahme der westlichen Ausländer werden die Christen nicht nur ausgebeutet und schlecht bezahlt, sondern sind aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und ihres geringen sozialen Status auch regelmäßig verbalen und körperlichen Übergriffen ausgesetzt. Ihr christlicher Glaube kann sie in zusätzlicher Weise angreifbar machen.

Ausländische Christen unterliegen strengen Beschränkungen dabei, über ihren Glauben mit Muslimen zu sprechen, und dies doch zu tun, brächte sie in die Gefahr, inhaftiert und abgeschoben zu werden. Bis einschließlich 2025 wurden mehrere christliche Ausländer aus dem Land ausgewiesen; einigen wurde als Grund „Christentum“ genannt, den meisten wurde kein Grund für die Ausweisung mitgeteilt. Ausländische Konvertiten, die sich dem christlichen Glauben zugewandt haben, erleben in ähnlichem Ausmaß Verletzungen ihrer Religionsfreiheit wie in ihren Heimatländern, da sie in Saudi-Arabien in der Regel mit anderen Menschen aus ihren Heimatländern zusammenleben.

Die wenigen saudi-arabischen christlichen Konvertiten mit muslimischem Hintergrund sind einem hohen Druck ausgesetzt, vor allem seitens ihrer Familien. Sie halten ihren Glauben üblicherweise geheim. Dennoch nimmt die kleine Zahl der einheimischen Christen langsam zu. Sie werden außerdem mutiger und erzählen anderen von ihrem christlichen Glauben über das Internet und über christliche Satellitenfernsehkanäle. Ein solches öffentliches Bekenntnis hat bereits zu ernsthaften Konsequenzen seitens der saudi-arabischen Familien und Behörden geführt.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Die umfangreichen Ölreserven haben Saudi-Arabien zu einem der reichsten und modernsten Länder der Region gemacht. Das Land ist eine absolute Monarchie, in der es keine demokratischen Wahlen gibt und wo politische Parteien nicht zugelassen sind. Salman bin Abdulaziz Al Saud wurde 2015 König. Zwei Monate später begann Saudi-Arabien zusammen mit zehn weiteren Ländern eine Militäraktion zur Wiedereinsetzung der jemenitischen Regierung, die von den schiitischen Huthi vertrieben worden war. Der anhaltende Krieg im Jemen hat inzwischen etwa 155.000 zivile Opfer gefordert, die im direkten Zusammenhang mit kriegerischen Handlungen getötet wurden, und Hunderttausende weitere Opfer, die aufgrund der nachfolgenden humanitären Krise gestorben sind. Weltweite Kritik war die Folge. Zu den Reformen, die in den letzten Jahren in Saudi-Arabien durchgeführt wurden, gehören unter anderem die Erlaubnis für Frauen, Auto zu fahren und ohne männliche Begleitung reisen zu dürfen. Zudem wurde die Präsenz der Religionspolizei auf den Straßen deutlich reduziert.

Saudi-Arabien beherbergt die im Islam heiligen Städte Mekka und Medina – gemäß der Tradition sind diese der Geburts- beziehungsweise Begräbnisort von Mohammed. Das Land ist geprägt vom Wahhabismus, einer strengen Auslegung des Islam. Andere Religionen dürfen nicht offen praktiziert werden. Es gibt eine schiitische Minderheit von zehn Prozent. Sie leidet unter Diskriminierung.

Von den fast 2,3 Millionen Christen in Saudi-Arabien sind die meisten asiatischer Herkunft und arbeiten vorübergehend im Land. Laut World Christian Database gehören über 90 Prozent dieser Christen der römisch-katholischen Konfession an. Wer sich vom Islam ab- und dem christlichen Glauben zuwendet, wie das etwa einheimische saudi-arabische Christen getan haben, verstößt gegen das Apostasiegesetz, worauf die Todesstrafe steht. Allerdings haben die Gerichte in den letzten Jahren kein Todesurteil wegen Apostasie mehr verhängt. Einige Schulbüchern vermitteln weiterhin Hass gegen Menschen, die einer anderen Religion als dem sunnitischen Islam angehören, auch wenn dies in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat. Trotz dieser positiven Entwicklung verbietet die saudische Regierung weiterhin die öffentliche Ausübung nicht muslimischer Religionen. Religiöse Minderheiten sind nach wie vor Diskriminierungen in den Bereichen Recht, Bildung und Arbeit ausgesetzt.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

2.295.000

6,0

Muslime

34.284.000

90,2

Hindus

788.000

2,1

Buddhisten

134.000

0,4

Anhänger ethnischer Religionen

74.800

0,2

Bahai

7.700

< 0,1

Atheisten

11.800

< 0,1

Agnostiker

256.000

0,7

Andere

138.200

0,4

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Christen in Saudi-Arabien sind je nach ihrem Wohnort und Hintergrund unterschiedlich starker Verfolgung ausgesetzt. Die meisten Christen in Saudi-Arabien sind ausländische Arbeiter. Sie leben und arbeiten in allen Teilen des Landes, je nachdem, wo sie beschäftigt sind. Der Druck auf Christen ist im Allgemeinen im ganzen Land gleich. In ländlichen Gebieten ist die Kontrolle durch das soziale Umfeld jedoch größer; besonders im Bezug auf christliche Konvertiten muslimischer Herkunft. Die Wohnanlagen für westliche Ausländer sind Ausnahmen, da es dort weniger Druck und Kontrolle gibt, sich an strenge islamische Normen zu halten. In großen städtischen Zentren wie Riad und Dschidda hat sich die Toleranz in den letzten Jahren geringfügig erhöht, obwohl grundlegende Einschränkungen der Religionsfreiheit im gesamten Land nach wie vor weit verbreitet sind.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Saudi-Arabien ist vom Wahhabismus geprägt. Der Koran und die Sunna (wörtlich „Traditionen“) wurden zur Verfassung erklärt, das Rechtssystem basiert auf der Scharia. Nur der wahhabitische Islam darf öffentlich praktiziert werden. Es wird davon ausgegangen, dass alle saudi-arabischen Bürger Muslime sind. Auf Apostasie, den Abfall vom Islam, steht weiterhin die Todesstrafe, auch wenn in den vergangenen Jahren keine Beispiele von gerichtlich angeordneten Hinrichtungen dafür bekannt geworden sind. Die Regierung setzt sich für die Bewahrung der für den Islam heiligen Stätten des Landes ein und stärkt somit ihre Rolle als Verteidigerin des islamischen Glaubens.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Der Stamm und Clan sind in der arabischen Gesellschaft wichtig, etwa bei Eheschließungen, Anstellungsverhältnissen und beim Mieten oder Kaufen von Immobilien. Die Stammeszugehörigkeit und der damit verbundene Status können anhand des Nachnamens erkannt werden. Allgemeine Verachtung gilt denen, die keinem Stamm angehören. Dies richtet sich insbesondere gegen nicht muslimische Ausländer wie Arbeitsmigranten. Die Unterdrückung durch den Clan oder Stamm ist eindeutig mit dem Islam verbunden und betrifft vor allem Christen muslimischer Herkunft. Das Verlassen des Islam ist eine schwerwiegende Verletzung der Familien- und Stammesehre und führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu gewalttätigen Reaktionen der unmittelbaren oder erweiterten Familie eines Konvertiten.

Diktatorische Paranoia

Die saudi-arabische Monarchie ist absolut. Die Herrscherfamilie kontrolliert genau jede möglicherweise abweichende Meinung. Besonders der König und der Kronprinz setzen alles daran, den Status quo zu erhalten. Gemäß der vorherrschenden Sichtweise entehren diejenigen Saudi-Araber, die sich dem christlichen Glauben zugewandt haben, den stolzen Ruf des Landes als Hüter der beiden heiligen Moscheen. Daher wird die Existenz dieser christlichen Konvertiten geleugnet. Staatsbeamte gehen oft deshalb gegen Christen vor, weil deren Familienmitglieder oder Menschen aus ihrem sozialen Umfeld darum gebeten haben. Die saudi-arabischen Machthaber haben zudem Änderungen vorgenommen, die sich auf die im Land lebenden Ausländer auswirken, wie zum Beispiel die Erhöhung der Visagebühren für deren Angehörige.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die meisten ausländischen Christen sind römisch-katholisch. Sie kommen aus Afrika, Asien und dem Westen nach Saudi-Arabien, um dort zu arbeiten. Arbeitsmigranten aus Ländern mit niedrigem Einkommen werden aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihres geringen sozialen Status misshandelt und kontinuierlich unter Druck gesetzt, zum Islam zu konvertieren. Christliche Ausländer dürfen nicht mit Muslimen über ihren Glauben sprechen. Kirchengebäude sind gesetzlich nicht erlaubt, aber größere christliche Gottesdienste werden Berichten zufolge regelmäßig abgehalten, ohne dass sie von Regierungsbeamten oder der Religionspolizei wesentlich beeinträchtigt werden. Zu der Gruppe von ausländischen Christen gehören auch ausländische christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund, besonders aus dem arabischen und asiatischen Raum. Diese Christen sehen sich mit ähnlichen Verletzungen ihrer Religionsfreiheit konfrontiert wie in ihren Heimatländern, da sie in Saudi-Arabien in der Regel in kleinen Gemeinschaften mit ihren Landsleuten zusammenleben.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Die wenigen einheimischen saudi-arabischen Christen sind Konvertiten mit muslimischem Hintergrund. Sie halten ihren Glauben geheim. Durch Fernsehprogramme oder über das Internet haben sie vom christlichen Glauben erfahren, obwohl dies von den Behörden streng kontrolliert wird.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 15.2
Familienleben 15.5
Gesellschaftliches Leben 14.9
Leben im Staat 15.8
Kirchliches Leben 16.6
Auftreten von Gewalt 4.3

Privatleben

Saudi-Arabiens sogenannte „Anti-Bekehrungs-Gesetze“ schränken Christen darin ein, mit anderen über ihren Glauben zu sprechen. Für saudi-arabische Konvertiten mit muslimischem Hintergrund bedeutet dies meist, dass sie überhaupt nicht über ihren Glauben sprechen können, nicht einmal mit ihren Verwandten. Für ausländische Christen könnte es Konsequenzen für ihre Arbeitssituation nach sich ziehen, würden sie über ihren Glauben sprechen. Zudem besteht für sie das Risiko, ausgewiesen zu werden. Das Teilen christlicher Inhalte im Internet ist aufgrund der allgegenwärtigen digitalen Überwachung besonders gefährlich. Darüber hinaus können Christen keine christlichen Symbole zeigen oder Bibeln oder andere christliche Bücher in arabischer Sprache besitzen. Die Konsequenzen dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit aber für christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund besonders schwerwiegend sein, da ihr Glaube als Apostasie gilt und der Abfall vom Islam mit Gefängnis oder der Todesstrafe geahndet werden kann.

Familienleben

Nicht islamische Religionsausübung ist verboten. Das bedeutet, dass sich Christen nicht zu Gottesdiensten versammeln und keine Taufen oder Hochzeiten feiern dürfen. Christliche Eheschließungen können nicht offiziell beim Staat registriert werden. Werden saudi-arabische Eltern als christliche Konvertiten entlarvt, verlieren sie unter Umständen das Sorgerecht für ihre Kinder.

Eingewanderte Christinnen, die Saudi-Araber heiraten (christliche Männer dürfen keine saudi-arabischen Frauen heiraten), haben nach saudi-arabischem Recht keinen Anspruch auf das Sorgerecht für die Kinder – mit der Begründung, dass so sichergestellt wird, dass die Kinder eine muslimische Erziehung erhalten. Das Schulsystem kontrolliert den Religionsunterricht streng. Christliche Eltern sind bei der Erziehung ihrer Kinder mit großen Herausforderungen konfrontiert, da Kinder unabhängig von ihren persönlichen Überzeugungen am islamischen Unterricht teilnehmen müssen.

Gesellschaftliches Leben

Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund werden bedroht, wenn ihr Glaube bekannt wird. Häufig verlieren sie ihren Arbeitsplatz und sind mit Drohungen und Gewalt konfrontiert. Sollte ihr christlicher Glaube bekannt geworden sein, ist es üblich, dass die Konvertiten vor allem vom sozialen Umfeld überwacht werden. Bei Ausländern wird die Religion als Teil des Bewerbungsverfahrens erfasst. Jede Erwähnung des christlichen Glaubens kann dazu führen, dass sie nicht eingestellt werden. Dies betrifft vor allem Arbeitsmigranten aus Ländern mit niedrigem Einkommen, weshalb sich einige von ihnen als Muslime registrieren lassen.

Leben im Staat

Blasphemie, Verleumdung von Religionen und nicht islamische Mission sind verboten, ebenso wie jede öffentliche Form von nicht islamischem Gebet und Gottesdienst. Die meisten Christen (sowohl saudi-arabische als auch ausländische) achten sehr darauf, Provokationen zu vermeiden. Sie üben vorsorglich „Selbstzensur“ und vermeiden insbesondere, offen über den christlichen Glauben zu sprechen oder direkte Kritik am Islam zu äußern. Weihnachtsdekorationen werden in städtischen Zentren zwar zunehmend toleriert, aber als „saisonale“ und nicht als religiöse Artikel vermarktet. Selbst Firmenlogos werden auf nicht muslimische religiöse Symbolik geprüft. Christen ist es nicht möglich, hohe Regierungsämter oder militärische Führungspositionen zu bekleiden. Christliche Zeugenaussagen haben vor saudischen Gerichten kaum Gewicht, und Staatsbürgerschaftsanträge setzen implizit die Zugehörigkeit zum Islam voraus.

Kirchliches Leben

Das Verbot jeglicher nicht islamischer Religionsausübung hat zur Folge, dass kein Gebäude zur Nutzung als Kirche angemietet oder gebaut werden darf. Zwar gibt es Tausende informelle Zusammenkünfte von ausländischen Christen, die sich an privaten Orten treffen, diese werden Hinweisen zufolge aber von den Behörden routinemäßig überwacht. Auch die strikte Geschlechtertrennung schränkt die Möglichkeiten zum Abhalten christlicher Gottesdienste massiv ein – Männern und Frauen aus verschiedenen Familien ist es allgemein verboten, gemeinsam im selben Raum Gottesdienst zu feiern. Zudem ist die Einfuhr von nicht islamischen religiösen Materialien in arabischer Sprache nach Saudi-Arabien verboten. Obwohl ausländische Christen theoretisch eine eigene Bibel besitzen dürfen, haben Zollbeamte nicht-westliche christliche Arbeiter schikaniert, als sie eine Bibel bei ihnen gefunden haben. Die Medien, einschließlich onlinebasierte Kanäle, werden routinemäßig auf politisches, pornographisches und religiöses Material hin untersucht, das als anstößig oder gegen den Islam gerichtet angesehen wird.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

Aus Sicherheitsgründen können keine Details genannt werden. Es wurden im Berichtszeitraum jedoch ausländische Christen zu Verhören vorgeladen und anschließend abgeschoben. Eine Hauskirche wurde geschlossen; die Teilnehmer wurden einzeln aufgesucht und ohne Erklärung des Landes verwiesen.

  • Hunderte Christen aufgrund ihres Glaubens seelisch oder körperlich misshandelt wurden.
  • Dutzende Christen mussten ihre Häuser verlassen und aufgrund ihres Glaubens innerhalb des Landes umziehen oder das Land verlassen.
  • Mindestens Hunderte Christen wurden sexuell belästigt oder vergewaltigt, insbesondere weibliche Hausangestellte aus Ländern mit niedrigem Einkommen.

Dutzende christliche Konvertiten muslimischer Herkunft wurden von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld eingesperrt, nachdem ihr Glaubenswechsel entdeckt wurde.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

13

82

2025

12

81

2024

13

81

2023

13

80

2022

11

81

Die Gesamtpunktzahl stieg um einen Punkt von 81 auf 82 Punkte, was in erster Linie auf einen Anstieg der Gewalt zurückzuführen ist. Es hat zwar einige positive Entwicklungen in Bezug auf die Religionsfreiheit in Saudi-Arabien gegeben, aber es bestehen weiterhin erhebliche Einschränkungen. Der Druck in allen Lebensbereichen ist nach wie vor extrem hoch. Im Jahr 2025 kam es zur ersten großen Abschiebungswelle ausländischer christlicher Arbeitskräfte seit mehr als einem Jahrzehnt. Ausländische Christen wurden zunächst zur Befragung festgehalten und anschließend abgeschoben. Eine Hauskirche wurde geschlossen; die Mitglieder wurden einzeln aufgesucht und ohne Erklärung des Landes verwiesen. In den Großstädten ist die Toleranz gegenüber Weihnachtsdekorationen im öffentlichen Raum in den letzten Jahren gestiegen. Die Reform der Schulbücher wurde vorangetrieben und weitere problematische Lehrinhalte über Nichtmuslime wurden entfernt. Gleichzeitig ist die öffentliche Religionsausübung nicht muslimischer Glaubensrichtungen weiterhin verboten, und religiöse Minderheiten werden nach wie vor diskriminiert. Darüber hinaus ist Saudi-Arabien eines der wenigen Länder weltweit, in denen Kirchengebäude nach wie vor offiziell verboten sind.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Saudi-arabische Frauen stehen unter ständiger Kontrolle, wodurch sie kaum Privatsphäre oder Glaubensfreiheit haben. Auf christliche Konvertitinnen wird der Druck meist von der Familie und dem sozialen Umfeld ausgeübt. Ihnen drohen körperliche Gewalt, verbale Belästigung, Hausarrest und die Zwangsheirat mit konservativen Muslimen als „korrigierende“ Maßnahmen. Christliche Konvertitinnen, die bereits verheiratet sind, stehen in der Gefahr, geschieden zu werden und das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren. Angesichts dieses Drucks und letztlich der Gefahr eines Ehrenmordes entscheiden sich viele Frauen dafür, ihren Glauben geheim zu halten. Darüber hinaus berichten Quellen, dass im ganzen Land Tausende ausländische Hausangestellte – sowohl Christinnen wie auch andere Nichtmusliminnen – regelmäßig misshandelt werden.

Männer

Da die Öffentlichkeit von Männern dominiert wird, zahlen Männer einen hohen Preis, wenn ihr christlicher Glaube entdeckt wird. Die strenge islamische Gesellschaft Saudi-Arabiens führt dazu, dass jede Abweichung vom Standardverhalten schnell bemerkt wird. Christliche Konvertiten stehen in der Gefahr, öffentlich bloßgestellt, geschlagen, eingesperrt, aus ihren Häusern vertrieben und emotional misshandelt zu werden. Wahlweise werden sie auch zur „Umerziehung“ zu einem Scheich gebracht. Wenn sich herausstellt, dass ein Konvertit sich nicht umstimmen lässt, droht ihm Enteignung, Gefängnis und sogar der Tod. Obwohl Reformen die Autorität der Religionspolizei eingeschränkt haben, bleibt die öffentliche Ausübung des christlichen Glaubens verboten. Christen werden am Arbeitsplatz diskriminiert und erhalten keine Beförderungen oder Gehaltserhöhungen. Sowohl einheimischen als auch zugewanderten Christen ist es verboten, christliche Symbole zu zeigen. Aufgrund der ständigen Überwachung leben viele als heimliche Christen.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Schiitische Muslime, die hauptsächlich in der östlichen Provinz asch-Scharqiyya leben, sind Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Da sie von den saudi-arabischen Herrschern als Häretiker betrachtet werden, erleben Schiiten Diskriminierung im Justizsystem, im Bildungswesen, bei Beschäftigungsmöglichkeiten und bei Regierungsämtern. Schiiten streben nach stärkerer politischer Partizipation und mehr religiöser Toleranz. Jedoch stehen schiitische Geistliche und Aktivisten, die sich für die Gleichbehandlung schiitischer Muslime einsetzen, in der Gefahr, verhaftet und sogar hingerichtet zu werden – unter dem Vorwurf, sich der Regierung entgegengestellt zu haben. In den Jahren 2024 und 2025 wurden mehrere schiitische Männer wegen angeblichen Terrorismus, ihrer religiösen Überzeugungen oder ihres politischen Aktivismus im Zusammenhang mit ihrer schiitischen Identität hingerichtet.

Dem Bericht der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) zu Saudi-Arabien von 2023 zufolge bereitete „im April [2022] [...] die saudi-arabische Regierung die Abschiebung von vier uigurischen Muslimen nach China vor, verzögerte die Abschiebung jedoch auf internationalen Druck hin. [...] Während einer Predigt in der Großen Moschee in Mekka im Juli rief Imam Saleh bin al-Humaid dazu auf, ‚die plündernden und besetzenden Juden zu vernichten‘.“

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Saudi-Arabien:

  • Viele Christen in Saudi-Arabien sind Arbeitsmigranten, die bereits aufgrund ihres Minderheitenstatus unterdrückt werden. Beten Sie für diese Christen um Schutz vor Misshandlungen und um gute Gemeinschaft mit anderen Christen.
  • Beten Sie um Schutz vor Entdeckung der saudi-arabischen Christen, die ihren Glauben vor Freunden und Familie verbergen müssen.
  • Beten Sie in diesem Zusammenhang vor allem für christliche Konvertitinnen, die völlig isoliert sind, dass Jesus ihnen Trost, Mut und Hoffnung schenkt und sie Wege zur Gemeinschaft mit anderen Christinnen finden.
  • Beten Sie für den Schutz aller Christen in Saudi-Arabien und um Weisheit und Gottes Leitung auf ihrem Weg, Jesus nachzufolgen und von ihm zu erzählen.
  • Bitten Sie Jesus, die Herzen der religiösen Anführer und des Königshauses zu erweichen, sodass sie Angehörige anderer Religionen frei Gottesdienste feiern lassen.

Saudi-Arabien: Informieren und helfen

Eine Mitarbeiterin von Open Doors betet für eine verfolgte Christin

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