Weltverfolgungsindex 2026

Tadschikistan

Christenverfolgung in Tadschikistan

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Die Regierung übt Druck auf alle „abweichenden“ Gruppen aus, indem sie geltende Gesetze verschärft und rigoros durchsetzt. Einheimische Christen muslimischer Herkunft werden am stärksten verfolgt. Die Verfolgung geht vorrangig vom Staat, von der Familie und vom sozialen Umfeld aus. Russisch-orthodoxe Gemeinden geraten mit der Regierung am wenigsten in Konflikt, da sie in der Regel nicht versuchen, mit der tadschikischen Bevölkerung in Kontakt zu treten. Das Jugendgesetz hat bei Christen (und anderen religiösen Minderheiten) für juristische Ungewissheit gesorgt. Es lässt sie im Unklaren darüber, welche Art der Arbeit unter Kindern und Jugendlichen noch erlaubt ist.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Tadschikistan weist zwar den höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil in Zentralasien auf, dennoch wäre es falsch, Tadschikistan als muslimisches Land zu bezeichnen. Siebzig Jahre Atheismus während der Sowjetzeit haben ihre Spuren hinterlassen, und die säkulare Regierung hält den Islam streng unter Kontrolle. Die Bürger leben eher gemäß der islamischen Kultur, als dass sie sich streng an die islamischen Lehren halten. Die meisten Christen sind ethnische Russen und gehören der russisch-orthodoxen Kirche an. Außerdem gibt es etwa 3.000 tadschikische christliche Konvertiten. Außerhalb der staatlich geführten und kontrollierten Einrichtungen sind religiöse Aktivitäten verboten. Insbesondere Protestanten, die im Gegensatz zu orthodoxen Christen als Extremisten gelten, erleben erhebliche Verletzungen der Religionsfreiheit.

Im August 2011 wurde ein neues Gesetz zur Regelung religiöser Angelegenheiten in Kraft gesetzt. Es untersagt jegliche religiöse Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Dieses Gesetz hatte enorme Auswirkungen auf die kirchlichen Aktivitäten, da schätzungsweise 50 Prozent aller Christen dieser Altersgruppe angehören. Im Januar 2018 traten Änderungen des Religionsgesetzes in Kraft. Seither müssen religiöse Organisationen sämtliche Aktivitäten melden; die Ernennung aller Imame muss staatlich genehmigt werden. Am 6. Oktober 2021 führte Tadschikistan neue Strafmaßnahmen gegen einen „im Untergrund“ durchgeführten Religionsunterricht von Kindern ein. Das Strafgesetzbuch wurde dahingehend geändert, dass im Falle eines illegalen Religionsunterrichts (einschließlich des Unterrichts über das Internet) eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verhängt werden kann. Die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) empfahl in ihrem Jahresbericht 2025, Tadschikistan in die Liste der „besonders Besorgnis erregenden Länder“ aufzunehmen, und erklärte: „Im Jahr 2024 blieb die Lage der Religionsfreiheit in Tadschikistan äußerst schlecht. Während des gesamten Jahres setzte die Regierung drakonische Gesetze durch und verschärfte ihre bereits repressiven, aus der Sowjetzeit stammenden Kontrollen über die Religionsausübung aller Gruppierungen. Insbesondere richteten sich die Behörden gegen ismailitische schiitische Muslime und andere Personen, die von der staatlich bevorzugten Auslegung des hanafitisch-sunnitischen Islams abwichen. Die Maßnahmen der Behörden beinhalteten unter anderem Schikanen, Festnahmen, Haftstrafen und grenzüberschreitende Repression.“

Die meisten Christen gehören ethnischen Minderheiten an, etwa der russischen oder ukrainischen. Die Zahl der Christen ging in den frühen Jahren der Unabhängigkeit in den 1990er-Jahren stark zurück, weil es zu einer großen Auswanderungswelle von Russen und Ukrainern kam.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

55.000

0,5

Muslime

10.302.000

98,0

Buddhisten

4.900

< 0,1

Anhänger ethnischer Religionen

7.600

0,1

Juden

310

< 0,1

Bahai

4.700

< 0,1

Atheisten

25.100

0,2

Agnostiker

115.000

1,1

Andere

2.200

< 0,1

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Überall im Land verletzen Regierungsbeamte die Religionsfreiheit von Christen. Der Druck von Familie, Freunden und dem sozialen Umfeld auf christliche Konvertiten ist außerhalb der städtischen Gebiete stärker.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Diktatorische Paranoia

Nur staatlich kontrollierte religiöse Institutionen sind erlaubt. Seit 2015 ist der Druck der Behörden gestiegen: Es gab mehr Razzien bei Versammlungen, mehr Beschlagnahmungen von christlichem Material und mehr Geldstrafen und Verhöre von Christen. Protestanten werden als gefährliche Anhänger einer fremdartigen Sekte betrachtet, deren Ziel es sei, das politische System zu zerstören.

Islamische Unterdrückung, gemischt mit Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Wenn einheimische (muslimische) Bürger zum christlichen Glauben konvertieren, werden sie von ihren Familien und Gemeinschaften unter Druck gesetzt und gelegentlich mit körperlicher Gewalt dazu gezwungen, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Dies geschieht insbesondere in ländlichen Gebieten. Einige christliche Konvertiten werden unter Hausarrest gestellt oder aus ihren Wohnungen vertrieben. Viele halten ihren christlichen Glauben daher geheim.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu den Christen aus traditionellen Kirchen gehören die Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche. Sie geben das Evangelium nicht unter der tadschikischen Bevölkerung weiter, wodurch das tadschikische Regime diese Kirchen nicht als Bedrohung wahrnimmt – und sie folglich weitgehend frei von staatlicher Einmischung arbeiten lässt. Die tadschikische Regierung möchte außerdem Russland nicht durch ein Vorgehen gegen die russisch-orthodoxe Kirche provozieren.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck seitens der Familie und des sozialen Umfelds: Der Glaubenswechsel wird als Verrat an Volk, Land und Religion angesehen, der Schande über die Familie bringt.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den christlichen Konvertiten werden freikirchliche Christen und Gemeinden am meisten verfolgt, weil sie aktiv das Evangelium weitergeben. Baptisten, evangelikale Christen und pfingstkirchliche Gruppen leiden unter zahlreichen Razzien, Drohungen, Verhaftungen und Geldstrafen durch die Behörden.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 14.4
Familienleben 12.8
Gesellschaftliches Leben 12.9
Leben im Staat 13.6
Kirchliches Leben 14.6
Auftreten von Gewalt 3.3

Privatleben

Ein Glaubenswechsel ist zwar offiziell erlaubt, wird aber als Verrat an Familie und Kultur angesehen. Gewalt und Druck durch das soziale Umfeld sollen christliche Konvertiten dazu bewegen, ihren neuen Glauben zu widerrufen. Viele christliche Konvertiten halten ihren Glauben deshalb geheim.

Familienleben

Konvertiert ein Elternteil zum christlichen Glauben, versuchen muslimische Familienmitglieder, das Sorgerecht für die Kinder zu erlangen, um sie nach islamischen Grundsätzen zu erziehen. Nach dem Gesetz dürfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht an den Aktivitäten einer Kirche oder einer Moschee teilnehmen. Das soziale Umfeld verleumdet Kinder von Christen; oft dürfen muslimische Kinder keinen Kontakt zu ihnen pflegen. In der Sekundarschule müssen alle Kinder das Fach „Religionsgeschichte“ belegen – es wird aus sunnitisch-muslimischer Sicht unterrichtet.

Gesellschaftliches Leben

Christliche Konvertiten und Christen aus nicht registrierten Gemeinden werden von ihrem sozialen Umfeld beobachtet; teilweise werden sie auch von lokalen Staatsbeamten überwacht, beispielsweise durch das Abhören ihrer Telefone. Christen werden mitunter schikaniert, verhört und bedroht. Dies gilt insbesondere für christliche Konvertiten, deren Glaubenswechsel öffentlich geworden ist.

Leben im Staat

Eigentlich ist Religionsfreiheit in der Verfassung verankert. Allerdings verpflichtet das Religionsgesetz von 2009/2011 (mit Ergänzungen vom Januar 2018) alle religiösen Organisationen zur Registrierung. Kirchliche Aktivitäten nicht registrierter Gruppen gelten grundsätzlich als illegal. Nicht genehmigter Religionsunterricht ist verboten; sämtliches religiöses Material wird zensiert. Das Gesetz über die Pflichten von Eltern verbietet Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, an Aktivitäten religiöser Organisationen teilzunehmen.

Kirchliches Leben

Die Gesetze zur Regelung religiöser Angelegenheiten vom August 2011 verbieten jede kirchliche Arbeit unter Kindern und Jugendlichen. Selbst registrierte religiöse Gruppen benötigen eine staatliche Genehmigung für Herstellung, Einfuhr, Verkauf und Verteilung von religiösen Materialien. Damit sind im Umkehrschluss faktisch alle Materialien verboten, die von nicht registrierten religiösen Gruppen verwendet werden. Für Christen, die aus dem Ausland nach Tadschikistan reisen wollen, gibt es Einschränkungen. Sie benötigen ein besonderes Visum, das sehr schwer erhältlich ist.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

Aus Sicherheitsgründen können keine konkreten Beispiele genannt werden.

  • wurde eine Hauskirche zweimal von ihren muslimischen Nachbarn angegriffen; Jugendliche schlugen an Weihnachten sowie an Ostern die Fenster ein.
  • Fünf Christen wurden Berichten zufolge festgenommen und verhört.
  • Mindestens zwanzig christliche Konvertiten wurden von ihren Familien und der örtlichen Gemeinschaft misshandelt und geschlagen.
  • Ende 2023 verließen zwei christliche Familien das Land und gingen in die USA, weil ihre Großfamilien sie wegen ihres christlichen Glaubens gedemütigt und beleidigt hatten.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

27

72

2025

39

68

2024

46

66

2023

44

66

2022

45

65

Die Gesamtwertung für Tadschikistan ist im Weltverfolgungsindex 2026 gegenüber dem Vorjahr um vier Punkte gestiegen; sie liegt nun bei 72 Punkten. Der Punktzahl für den durchschnittlichen Druck in allen Lebensbereichen stieg im aktuellen Berichtszeitraum von 13,3 Punkten auf 13,7 Punkte an. Während der durchschnittliche Druck in den Bereichen Privatleben, Familienleben, gesellschaftliches Leben und Leben im Staat leicht gestiegen ist, ließ sich im Bereich kirchliches Leben ein Anstieg von fast einem ganzen Punkt verzeichnen. Die Wertung für Gewalt stieg um 1,5 Punkte an, da mehr Vorfälle gemeldet wurden.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Männer und Frauen sind rechtlich zwar gleichgestellt. Doch in der traditionellen Kultur sind die Frauen den Männern unterworfen, und häusliche Gewalt ist weitverbreitet. Christlichen Konvertitinnen, die sich vom Islam abgewandt haben, drohen Intoleranz, Diskriminierung und Gewalt; Frauen dürfen nicht frei und unabhängig ihre Religion wählen. Konvertieren sie, müssen sie mit Hausarrest, Schlägen, Ablehnung, Belästigung und Zwangsheirat rechnen. Sind sie bereits verheiratet, drohen ihnen häusliche Gewalt oder Zwangsscheidung. Außerdem verbietet der Staat das Tragen von religiöser Kleidung und religiösen Symbolen. Davon sind auch einige Christinnen betroffen, da in manchen baptistischen und pfingstkirchlichen Gemeinden verheiratete Frauen traditionell ein Kopftuch tragen.

Männer

Wie in weiten Teilen Zentralasiens übernehmen Männer auch in Tadschikistan in Familien und Kirchen eine Führungsfunktion. Aufgrund dieser werden sie gezielt angegangen; die Polizei setzt Männer durch Verhöre und Geldstrafen unter Druck sowie durch Störaktionen ihrer Treffen; der Staat verletzt ihre Religionsfreiheit mit Durchsuchungen, Festnahmen, Verhören, Beschlagnahmungen sowie Geld- und Freiheitsstrafen. In der Haft werden Männer verbal und körperlich misshandelt, bedroht, geschlagen und unter Druck gesetzt, Informationen zu liefern. Christliche Konvertiten, deren Glaubenswechsel öffentlich geworden ist, können ihren Arbeitsplatz verlieren und werden im sozialen Umfeld und in ihren Familien geschlagen, diskriminiert und ausgegrenzt. Auch im Militär sind Christen Verfolgung ausgesetzt. Alle Männer im Alter von 18 bis 27 Jahren müssen bis zu zwei Jahre Wehrdienst leisten, eine Verweigerung aus religiösen Gründen ist nicht möglich.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Tadschikistan ist bekannt für Verstöße gegen die Religions- und Weltanschauungsfreiheit und die damit verbundenen Menschenrechte wie die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit. Der Staat nimmt dabei keine bestimmte religiöse Gruppe besonders in den Fokus – alle (Muslime, Christen, Zeugen Jehovas, Juden, Bahai etc) leiden unter einem hohen Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Tadschikistan:

  • Beten Sie für die christlichen Konvertiten muslimischer Herkunft um Kraft und Standhaftigkeit trotz des großen Drucks aus ihrem familiären Umfeld.
  • Beten Sie für nicht registrierte Gemeinden, die als illegal gelten, um Bewahrung vor Razzien.
  • Beten Sie für die Kinder und Jugendlichen: dass diese trotz der eingeschränkten Möglichkeiten, an kirchlichen Veranstaltungen teilzunehmen, Jesus Christus als ihren Retter kennenlernen.
  • Beten Sie für Präsident Emomalij Rahmon und andere Regierende. Bitten Sie, dass Jesus ihre Herzen weich macht und sie die Wahrheit des Evangeliums erkennen.

Tadschikistan: Informieren und helfen

Eine Mitarbeiterin von Open Doors betet für eine verfolgte Christin

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